Donnerstag, 15. Oktober 2015

32. Woche

Es ist immer noch fantastisch zu hören, dass mein Körper jetzt tut, was man von ihm erwartet. Heute war ich bei der Hebamme, und sie maß meine Gebärmutter. Anschließend zeigte sie mir am Computer, wie vorbildlich diese der Wachstumskurve folgt. Nach all den Jahren, in denen zumindest meine Körpertemperatur keiner Kurve folgen wollte, ist das immer noch ein Wunder. Es ist also alles gut, von den Händen mal abgesehen, aber das nehme ich als Preis für das größte Geschenk meines Lebens gerne in Kauf.

Der Bauch wächst also ordentlich, trotzdem bin ich aber noch ziemlich beweglich. Zwar laufe ich nicht mehr mit den Kindern, aber ansonsten kann ich alles machen: Windeln wechseln, beim Toalettenbesuch helfen, An- und Ausziehen, etc. Ich bin einigermaßen stolz auf mich, wenn man bedenkt, dass Erzieher in Deutschland wohl oft schon bei Bekanntwerden der Schwangerschaft nach Hause geschickt werden. Und die Jüngste bin ich ja nun auch nicht mehr...Es sieht so aus, als würde ich die geplanten nächsten vier Wochen durchhalten. Dann habe ich noch etwa weitere vier Wochen bis zur Geburt. Wenn es läuft, wie geplant. Ich glaube, dass mir die Arbeit gut tut. Ich bin so abgelenkt, dass ich nicht viel an meine geschwollenen Hände denke, meine Beweglichkeit wird sicher auch gefördert, und die Zeit geht schneller rum. Zuhause kann ich eh nicht viel machen. Nähen und Stricken fällt aus, ich würde wahrscheinlich viel rumliegen. Es ist gut so, wie es ist.

In den vergangenen Wochen war wir auf vielen Elternkursen. Theoretisch sind wir also auf die Geburt und die erste Zeit danach vorbereitet. Hier wird viel über eine aufrechte Geburtsposition gesprochen. Dabei fällt mir auf, dass ich zwar viele Geburtsgeschichten in Einzelheiten erzählt bekommen habe. Aber niemand hat mir erzählt, in welcher Stellung das Kind zur Welt gebracht wurde. Ist das in Deutschland kein Thema? Oder spricht Frau nicht gerne darüber? Unsere Klinik hat jedenfalls im letzten Jahr ein ganz neues Geburtshaus bekommen. In allen 8 Geburtszimmern gibt es eine Badewanne, was ich sehr ansprechend finde. Ich weiß zwar nicht, ob ich wirklich im Wasser gebären werde, aber vorher ist es sicher schön, mal in warme Wasser zu tauchen. Es arbeiten immer 8 Teams, eine Hebamme und eine Krankenschwester. Nur bei Komplikationen wird ein Arzt geholt. Auch das gefällt mir sehr gut. Auch wenn es eine Klinik ist, erscheint es mir doch eher wie ein Geburtshaus. Das wäre in Deutschland wohl meine Wahl gewesen. Ich bin sehr gespannt, wie ich die Geburt erleben werde. Gerne würde ich ohne Schmerzmittel auskommen, aber wenn es anders kommt, dann ist es auch ok. Das wichtige ist, dass unser Kind und ich alles gut überstehen. Natürlich ist es das, was zählt.

Am Wochenende treffe ich eine ehemalige Arbeitskollegin, die auch einen unerfüllten Kinderwunsch hatte. Sie hatte kein Glück bei IVF und hat sich dann für eine Auslandsadoption entschieden. Auf diese Weise ist sie vor einem Jahr Mutter eines afrikanischen Mädchens geworden. Der Kontakt war leider abgebrochen, aber jetzt hatte sie über Umwege von meiner Schwangerschaft gehört und sich wieder gemeldet. Ich bin sehr gespannt auf ihre Geschichte und freue mich auf das Wiedersehen.

Es wird jetzt einfach alles gut. Zu allem Glück haben wir vor ein paar Tagen erfahren, dass unsere direkten Nachbarn im Januar ihr zweites Kind erwarten. Wir haben sie lange nicht gesehen, so dass uns das entgangen ist. Da habe ich ja die Chance, die Elternzeit mit jemanden zu teilen, und unsere Tochter hat eine(n) Spielkameraden (in) im gleichen Alter direkt nebenan. Dazu kommen noch die beiden Jungs, die zwei Jahre älter sein werden. Der Kapitän sagte gleich spontan: dann machen wir einfach die Türen auf, und die Kinder können zwischen den Wohnungen hin und her laufen. Ja, das wäre ein Traum!

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