Montag, 29. Juni 2015

Das erste Mal

Heute, am 1. Tag des fünften Monats, war es soweit: da war sie, DIE Frage. Und sie kam so herrlich spontan. Eine Mutter holte ihr Kind ab und hockte vor ihm. Damit hatte sie nicht nur Augenhöhe mit dem Kind sondern auch meinen Bauch im Blick. Erstaunt guckte sie zu mir hoch und fragte: bekommst du ein Kind? Ich musste lachen und bestätigte es. Oh, wie schön, rief sie. Und dann 30 Sekunden später kam die Erkenntnis: dann hast du ja bald Elternzeit. Ja, genau. Ja, das war natürlich schade für sie. Die ganze Situation war so spontan, ehrlich und voller Gefühle. Einfach herrlich. Ich hätte mir kein schöneres erstes Mal vorstellen können.

Inzwischen ist mein Bauch wirklich ordentlich gewachsen. Seit ein paar Tagen fühlt es sich nicht mehr gut an, auf ihm zu schlafen. Ich habe ja ohnehin Schlafprobleme, die dadurch natürlich nicht besser werden. Insofern habe ich auch wirklich keine Angst vor Schlafmangel nach der Geburt. Schlimmer kann es wirklich nicht werden. 


In einem Anfall von Friedfertigkeit hatte ich meiner Freundin, die im letzten Jahr meinem Kinderwunsch sehr unqualifiziert begegnet war, eine Versöhnungsmail geschrieben. Sie hatte sich darauf entschuldigend gemeldet, so dass wir das Kriegsbeil beigelegt haben. Dann habe ich ihr von der Schwangerschaft berichtet. Ich bekam daraufhin eine Whatsup mit freundlicher Gratulation und einem Link: the real truth about having a Baby:
1. breastfeeding must not "just happen"
2. your Baby probably won't appreciate your Interieur Design skills (sondern es wünscht deine Nähe)
3. Postnatal depression
4. Sorge um das Kind
5. Schlafmangel

Neu war nichts davon für mich, und ich gedenke nicht, mir Sorgen zu machen. Abgesehen davon, dass ich mich für gut vorbereitet halte. Immerhin hatte ich ja drei Jahre Zeit, mir über alles und nichts Gedanken zu machen und nebenbei andere Mütter und Freundinnen zu beobachten. Manchmal hat eine lange Vorlaufzeit eben auch was Gutes. Ich würde behaupten, dass ich den schwierigsten Teil des  Weges zum Kind hinter mir habe. Naja, aber sie hatte es ja lieb gemeint. Und für sie waren das offensichtlich echte Probleme. 

Der Kapitän und ich lieben es, uns die Zukunft zu dritt vorzustellen. Immer wieder tauchen Sätze auf, wie: bald haben wir jemanden, der hier rumkrabbelt und alles auseindernimmt. Nächstes Jahr erleben wir das hier mit Kinderwagen. Etc.

Meine Schwangerschaft verläuft weiterhin ohne Auffälligkeiten abgesehen von dem eländigem Heuschnupfen. Tabletten will ich nicht nehmen, und zudem war ich mit der Ernährung nachlässig und habe viele Ausnahmen mit Molkereiprodukten gemacht. Das muss jetzt besser werden. Meine arme Nase. Die war ja eh schon dicht wegen der Schwangerschaft.

Jetzt freuen wir uns auf das Highlight dieser Woche: US am Donnerstag! und am Samstag geht's an die Westküste. Wir fangen den Urlaub mit zwei Nächten auf einem ehemaligen Gutshof an. Vier Wochen ausschlafen nach durchgegeisterten Nächten liegen vor uns. Und hoffentlich mit vielWärme und Sonne. So wünschen wir uns das.

Donnerstag, 11. Juni 2015

Schwanger sein

Ich merke, dass ich eine ambivalente Einstellung zu meinem Bauch habe. Ich habe nämlich inzwischen wirklich einen. Es scheint so, als habe mein Körper nur auf die Schwangerschaft gewartet, um endlich an der Lieblingsstelle wachsen zu können. Immer schon war der Bauch meine "Problemzone". Nahm ich zu, dann zuerst am Bauch. Nun, das ist ja jetzt erklärtermaßen auch das Ziel gewesen. Trotzdem wage ich (noch) nicht, ihn stolz meiner Umwelt zu präsentieren. Irgendwie finde ich es zu früh, und vor allem glaube ich, dass er größtenteils aus Fett besteht. Aber ich arbeite an mir. Ich bin jetzt in der 14. Woche- so besonders ist das jetzt auch wieder nicht. Ich finde, ich werde mit jedem Tag ein wenig stolzer und erwische mich häufiger, wie ich darüber streichele. Natürlich nicht unbedingt in der Öffentlichkeit, aber Zuhause oder bei der Arbeit.

Soviel zu dem Bauch. Die nächste Herausforderung bestand in dem Kauf eines passenden BHs. Wir waren am Wochenende in Essen und in zwei Läden für Umstandsmode. Die erste Verkäuferin gab sich ganz kompetent, fragte in welcher Woche, musterte mich und ließ mich nicht ausreden als ich ihr das Problem erläutern wolle. Sie kenne sich aus...sie kam dann mit einem Baravado BH, Größe M. Es war wie erwartet: zu klein. Die Verkäuferin machte große Augen. Es ist nämlich so, dass ich mit 1,63 m ja nicht besonders groß bin. Ebenso sind auch meine Brüste entsprechend klein. Dagegen ist mein Brustkorb alles andere als klein. XL war dann zu groß, und L hatte sie nicht. Blöd, ansonsten saß der schon echt gut. Im nächsten Laden verlangte ich dann gleich L. Die Verkäuferin guckte wieder sehr erstaunt. Dieses Mal gab es aber keinen Bravado. und L war zu klein. Ich habe dann XL genommen und bin damit zufrieden. Ich habe halt das Kreuz einer Schwimmerin, ohne eine zu sein. Insofern konnte ich meiner Kollegin aber versichern, dass mir unser Kind wahrscheinlich in der Babytrage nicht zu schwer werden wird. Ich habe ihr von meiner Vision berichtet, dass ich gedenke, die Hausarbeit mit Babytrage zu erledigen, sollte das Kind alleine unzufrieden sein. Sie äußerte Bedenken, dass es mir mit der Zeit zu schwer werden würde...es erheitert alle, wenn ich meine Ideen bzgl. meiner Zeit als frisch gebackene Mutter kundtue.

Bei unserem kurzen Deutschlandtrip letztes Wochenende haben wir auch die Kusine vom Kapitän getroffen. Und siehe da: sie erwartet ihr zweites Kind am 18.12., sozusagen 4 Tage nach uns! Das interessante war, dass sie meinte, sie wäre schön eine Woche weiter als ich. An den Kapitän gewandt meinte sie, er solle jetzt mal weghören und erklärte, dass sie ihren Eisprung spät im Zyklus habe. Haha, als würden solche Informationen den Kapitän vom Hocker hauen!! Der Termin ist also nachberechnet, zuerst ging man davon aus, dass es ein Nikolauskind werden würde. Die Nachricht über ihre schangerschaft war natürlich witzig und hat die Oma des Kapitän gefreut- gleich zwei Urenkel zu Weihnachten!

Ich finde es sehr interessant, was Mütter als unentbehrliche Anschaffungen betrachten, und vor allem wie unterschiedlich das ist. Die Kusine meinte, man bräuchte auf jeden Fall einen Vaporisator. Da ich fest entschlossen bin, voll zu stillen, brauche ich den sicher nicht. Sie hat gar nicht gestillt. Dann empfahl sie eine Babyschale für's Auto. Wir haben kein Auto. Brauchen wir also auch nicht. Die Frau des besten Freundes des Kapitäns fand ein Küchengerät super, was ihr das Essen gleich zu Brei kocht. Erscheint mir erstmal auch nicht zwingend erforderlich. Soviel also zu den unbedingt wichtigsten Dingen, die ganz offensichtlich sehr individuell sind.

Samstag, 6. Juni 2015

Der kleine Hautfetzen

Vor ein paar Wochen habe ich beim Duschen einen Hautfetzen an meiner Schamlippe gefunden. Gefühle von Ekel und Unsicherheit kamen hoch. Natürlich googelte ich vorwärts und rückwärts und kam zu dem Schluss, dass es sich um eine Warze handeln musste. Entweder eine harmlose Stilwarze oder eine Feigenwarze, die mit dem Papillomavirus zusammenhängt, der wiederum auch das Kind infizieren könnte. Laut Internet ist dafür der Hautarzt zuständig. Aber an DER Stelle? Zudem war ich mir ganz sicher, dass dieser Zuwachs mit der Schwangerschaft zusammenhängt. Ich rufe also erst einmal die Krankenhotline an, um in Erfahrung zu bringen, an wen ich mich wenden kann. Ich musste schlucken, als sich ein Mann meldete, aber was soll's? Raus mit der Sprache! Er meinte, ich sollte mich an die Hebamme wenden, die würde mich dann schon weitervermitteln.

Da wollte ich mich ja sowieso melden zum Erstgespräch. Die hatte für mich dann einen Arzttermin gebucht. Der war am Freitag. Ich war ja bisher ziemlich verwöhnt, da ich nur von Frauen behandelt worden war, deswegen musste ich wieder schlucken, als sich der Arzt als ein Mann erwies. Mir war die Sache schon ziemlich unangenehm. Es war dann aber alles kein Problem. Er guckte in meine Unterlagen und meinte: Ach, ein Luciakind! Das wäre gut, weil in dieser Jahreszeit weniger Geburten anstehen würden. Die Schweden würden ihre Kinder jetzt bekommen. Außerdem teilte er mir die Ergebnisse meiner Blutprobe mit. Ich hätte einen gigantischen Eisenwert. Normal würde er wohl bei 20-30 liegen, meiner war über 80! Er fragte, ob ich immer wenig geblutet habe. Ja, das konnte ich bestätigen. Ich war wohl nicht nur mit meinen Eisprüngen sparsam...aller Voraussicht würde mein Vorrat wohl für die ganze Schwangerschaft reichen, ohne dass ich Eisenpräparate nehmen müsste. 

Jetzt aber zu dem eigentlichen Problem- dem Hautfetzen. Er meinte vor der Untersuchung, dass die Haut bei einer Schwangerschaft wachsen würde. Als er das Ding sah, meinte er, das wäre ganz harmlos, ein Narbe, die eben gewachsen wäre. Ich könnte die Hebamme nach der Geburt bitten, das Ding wegzuschneiden. Oder man könnte es mit einem Bindfaden abbinden, so dass es abfallen würde. Da ich an diese Stelle nicht gut rankommen würde, wäre das eine Aufgabe für den Kapitän. Wir haben sehr gelacht, als ich ihm erzählte, dass ich darauf wohl nicht hoffen dürfte, da der Kapitän sich bei solchen Sachen sehr anstelle. Ich berichtete ihm von der Zecke, die ich seitlich an der Hüfte gehabt habe. Ich kam da wirklich schlecht ran, aber der Kapitän war nicht zur Mithilfe zu bewegen...aber schön, dass es nur eklig aussieht, aber ansonsten harmlos ist.

Zum Schluss wollte ich noch wissen, wieso ich jetzt doch schon am 2.7. (16.SSW)  zum US soll, obwohl wir uns auf Ende Juli (20. SSW) geeinigt hatten. Eigentlich würde dieser US in der 18. SSW gemacht, aber vor einiger Zeit habe man den rutinemäßig in der 16. SSW gemacht. In der 18. SSW könne man das Herz besser beurteilen, aber für die anderen Organe würde es keine Rolle spielen. Man sei wohl zu dem Schluss gekommen, dass die 20. SSW zu spät sei, für den Fall, dass grobe Mißblidungen vorliegen würden. Ok, dann weiß ich. In vier Wochen werden wir also Stupsi sehen! Und kurz danach werde ich den kleinen Schatz wohl auch zum ersten Mal spüren. Darauf freue ich. Ich am meisten!

Sonntag, 31. Mai 2015

Abschluss des ersten Trimesters

Die ersten 12 Wochen sind geschafft- ohne Überraschungen mal abgesehen von dem positiven Test. Alles lief genauso wie es sollte, zumindest soweit ich das beurteilen kann. Diese Woche hatte ich meinen letzten Termin zur Akupunktur. Jetzt ist Pause bis November. Eine Ära geht zu Ende. Immerhin war ich dort seit Oktober 2012 wöchentlich in Behandlung. An das liebe Geld wollen wir mal nicht denken, eher daran, wie es mir sehr geholfen hat, meinen Körper zu verstehen und seine Bedürfnisse besser zu befriedigen. Mal ganz davon abgesehen, dass ich jetzt schwanger bin und die ersten 12 Wochen so gut geschafft habe.

Am Freitag hatte ich das Erstgespräch mit der Hebamme, die mich bis zur Geburt betreuen wird. Sie ist sehr sympathisch, was mich freut, da ich dann einfach bei ihr bleiben kann. Ansonsten hätte ich wohl über einen Wechsel nachdenken können. Sie hat mich in den Finger gepieckst, um den Blutzucker und den Hämoglobinwert zu ermitteln. Alles super. Auch die Urinprobe ergab keine Auffälligkeiten. Der Blutdruck war exemplarisch. Sie lachte, weil ich ihr zu verstehen gab, dass ich nichts anderes erwartet hatte. 

Anschließend sind wir die Möglichkeiten zur Diagnostik durchgegangen. Ich hatte mich natürlich schon vorher gut informiert und meine Meinung gebildet. Ich wollte aber, dass der Kapitän sich auch informiert und seine eigene Meinung bildet. Das hätten wir mal lieber schon zuhause diskutieren sollen. Jetzt hat sich auf die Schnelle gar keine Meinungsbildung mit anschließender kontroverser Diskussion zugetraut. Ein bißchen schade, aber es ist ja nicht so, dass nur ich Zugang zu Informationen im Vorwege habe...Das Ergebnis ist, dass wir jetzt nicht die Nackenfalte messen und damit nicht auf Downsyndrom testen lassen. Ich vertrete die Auffassung, dass ich am liebsten meine Ruhe und Zuversicht bewahren möchte. Es fühlt sich alles gut und richtig an. Was wäre denn, wenn sie uns ein gewisses Risiko für ein Downsyndrom mitteilen würden? Sagen wir mal 1:20? Wäre ich dann bereit, eine Fruchtwasserunterwuchung machen zu lassen? Ich denke nicht. Ich habe die Auffassung, dass ich das Kind jetzt nehme, wie es ist. Wir haben so lange auf Stupsi gewartet. Wäre ich wirklich in der Lage, dieses Kind abzutreiben, weil man uns ein Risiko für EINE Erkrankung mitteilt??? Es gibt tausende Erkrankungen, aber die werden nicht getestet. Niemand gibt dir die Garantie, dass dein Kind gesund auf die Welt kommt. Selbst wenn es im Bauch gesund ist, kann immer noch was während der Geburt passieren. Offensichtlich hat sich unser Kind zum Bleiben entschieden, und darüber sind wir froh. Auch wir sagen Ja zu diesem Leben. Deswegen brauchen wir jetzt keinen Test und keinen Ultraschall. Als ich fragte, wie es denn wären, wenn das Kind nun in meinem Bauch gestorben sei. Einer Freundin von mir ist das passiert. Sie hatten beim US gesehen, dass es nicht mehr gewachsen ist und das Herz nicht mehr schlug. Meine Hebamme fragte daraufhin, ob ich mich denn schwanger fühlen würde. Oh ja, sagte ich- vollschwanger! Darauf hat sie gelacht und gemeint, dass dann wohl auch alles in Ordnung sei.

Also haben wir jetzt einen Termin für Ende Juli verabredet und ungefähr in der Woche wird es auch einen Routineultraschall geben. Den wollten wir uns dann doch nicht entgehen lassen. Vielleicht sieht man ja dann das Geschlecht...

Jetzt warten wir also auf die Sommerferien, die am 4.7. endlich beginnen. Vier freie Woche liegen dann vor uns, die wir mit dem Auto auf Erkundungstour in Schweden sowie auf Deutschlandreise verbringen werden. Und ungefähr in dieser Zeit werde ich Stupsi wohl dann auch das erste Mal spüren. Darauf freue mich besonders. Jetzt ist es immer noch so abstrakt. Ich lese, was das Kleine in mir macht- diese Woche hat es schlucken gelernt, und es träniert schon tüchtig die Bewegung von Armen und Beinen- aber all das tut es im Verborgenen. Wie kann das sein, dass in mir eine kleine Person wohnt, und ich bekomme davon nichts mit?

Sonntag, 24. Mai 2015

10+6

Die Zeit vergeht wie im Fluge: in einer Woche haben wir die kritischen Wochen (hoffentlich) ohne Komplikationen überstanden. Ich muss dazu sagen, dass ich mich geweigert habe, sie als solche zu betrachten. Es ist ein bißchen wie nach dem Transfer: solange mir keiner das Gegenteil beweist, gehe ich von dem besten aus. Bis jetzt verläuft meine Schwangerschaft genauso wie es in den Apps und Fachbüchern beschrieben steht: sehr müde (was aber besser geworden ist), leichte Übelkeit, veränderter Appetit, verstärkter Geruchssinn, und nächtliche Toilettenbesuche. Das einzige, was vielleicht nicht ganz nach Plan läuft ist mein Bauchwachstum. Der ist nämlich Dank meines Schokoladengenusses nach Feierabend bereits gewachsen, so dass ich schon angefangen habe, Schwangerschaftshosen zu tragen. Die sind zugegebenermaßen aber immer noch etwas groß. Da ich nicht möchte, dass die Eltern jetzt schon Wind davon bekommen, stehe ich morgens nun vor der Herausforderung, etwas passendes zu finden, was den Bauchumfang kaschiert. Gestern haben ich den Kleiderschrank durchforstet und drei Kartons mit Klamotten aussortiert, weil die entweder jetzt schon zu eng sind oder zu warm und dann zu eng werden. Jetzt haben ich einen große leere Schublade, in die bald die ersten Babysachen einziehen können. Als ich letzte Woche Zuhause war, haben meine Mutter und ich zwischen alten Puppenkleidern tatsächlich meine alte Babykleidung gefunden. Welch eine Freude! Dabei war eine Strickjacke und Mütze, die ich von Bildern her kannte, die meine Oma damals für mich gestrickt hatte. 

Die Mutter vom Kapitän war tatsächlich einen Moment sprachlos, als wir ihr am Muttertag die frohe Botschaft verkündeten. Aber sie hat sich aufrichtig gefreut und meinte, sie hätte sich nie getraut nachzufragen. Das sei das schönste Muttertagsgeschenk für sie. Allerdings hat sie es recht schnell einer Freundin weitererzählt, obwohl wir sie eindringlich darum gebeten haben, genau das nicht zu tun. Es handelte sich um eine Freundin, die einen Sohn hat, den der Kapitän kennt. Dieser Sohn hatte über Facebook gefragt, ob der Kapitän Sex gehabt habe. So eine Frage ist natürlich in jedem Fall blöd, aber in unserem speziellen Fall extra blöd. Der Kapitän ist jetzt sauer, und es herrscht mal wieder Funkstille mit Schwiegermutter.

Ansonsten ist es total witzig, welche Vorstellungen der Kapitän so bzgl. unseres anstehenden Familienlebens hat. Vor ein paar Tagen zeigte er mir Bilder vom Sommerfest seines Lieblingsfussballvereins. Zu sehen waren lauter Aktivitäten für Kinder, wie Schminken, Hüpfburg, Fotoshooting mit dem Riesenmaskottchen, etc. Er meinte dann, dass wir ja nächstes Jahr dorthin fahren könnten. Ich machte ihn darauf aufmerksam, dass sich der Spaß dabei für einen Säugling sicher in Grenzen halten wird...
Ein anderes Mal sprachen wir über die Herausforderung, die die zeitgleiche Kinderbetreuung und die Führung des Haushaltes mit sich bringen wird während der Elternzeit, die er natürlich auch nehmen möchte. Er meinte dann, dass man das ja gemeinsam mit dem Kind machen könne. Dann dauere es eben eine Stunde, die Waschmaschine zu füllen...ich sehe es vor meinem geistigen Auge- meine beiden Lieblinge Zuhause und könnte mich schon jetzt amüsieren! Es wird so spannend, uns beide in der neuen Elternrolle zu erleben!

Heute hatten wir Stadtteilfest, was bei 18 Grad und Sonnenschein ausgesprochen nett war. Ich habe unglaublich viele Schwangere gesehen und merke, dass ich jetzt (natürlich) nicht mehr neidisch bin, sondern mir vorstelle, dass ich auch bald mit so einer Wampe unterwegs sein werde. Es ist immer noch streckenweise unfassbar. Ich bin immer noch ich, aber ich bin nicht mehr alleine. In mir schlagen zwei Herzen, und Stupsi macht schon Bewegungsübungen in aller Heimlichkeit. Welch ein Wunder der Natur! Ich bin sehr gespannt, welche Persönlichkeit unser Kind haben wird. Wie wird es sein? Was wird es gut finden? Was wird es gar nicht mögen?

Am 29.5. habe ich den ersten Termin bei der Hebamme. Dann werden wir mehr zu dem weiteren Ablauf erfahren. Ich bin gespannt, ob es dann demnächst noch mal einen Ultraschall geben wird.

Sonntag, 10. Mai 2015

SSW 8+6

Am Mittwoch waren wir zum letzten Mal in der Kinderwunschklinik. Welch eine Entwicklung in so kurzer Zeit! Am 10.2. waren wir dort zum Erstgespräch, am 6.5. werde ich mit einem Ultraschallbild aus der neunten SSW entlassen! Alles ist bestens: wir konnten den rasenden Herzschlag unseren Kindes bewunden. Wahnsinn, wie schnell das schlägt! Unser kleines Wunder war 17 mm "groß", und hatte einen guten Platz in meiner Gebärmutter gefunden. Damit ist es also amtlich: wir werden im Dezember Eltern. Berechnet ist der 14.12. Ich bin weiterhin sehr zuversichtlich und war letztendlich auch nicht überrascht, dass wir unser Kind sehen konnten und alles in Ordnung ist. Es fühlt sich einfach gut und richtig an. Und jetzt liegen auch nur noch 3 Wochen der kritischen Zeit vor uns. Es wird schon werden.

Inzwischen wissen es jetzt auch die meisten um uns herum. Am Freitag habe ich es meiner Chefin erzählt. Es weiß sowieso fast die ganze Belegschaft, da wäre es komisch, es ihr nicht zu erzählen. Sie ist ja sonst nicht so die emotionale, umso überraschter war ich über ihre echte Freude. Das war wirklich eine schöne Reaktion! Sie fragte auch, wie es mir gehe. Ihr sei auch die ganze Zeit schlecht gewesen, und sie habe dann immer Knäckebrot in der Tasche gehabt und nebenbei gemümmelt..

Und da es jetzt eh schon alle wissen, wollen wir es nachher der Mutter vom Kapitän erzählen. Ich bin sehr gespannt auf ihre Reaktion. Sie hat in den sechs Jahren, die wir zusammen sind nie nach Kindern gefragt. Ich weiß nicht, ob ihr das zu intim erschien oder ob es wirklich kein Thema für sie war. Dazu muss man wissen, dass sie sich sehr darum sorgt, alt zu werden und sich sehr anstrengt, jung zu wirken. Im Gegensatz zu ihrem häuslichem Sohn zieht sie Samstagnacht um die Häuser. Vielleicht ist sie erstmal geschockt, dass sie Oma wird...? Naja, sie hat ja noch etwas Zeit, sich mit dem Gedanken anzufreunden.

Bei meinen Recherchen zum Mutterschutz musste ich feststellen, dass dieser hier in Schweden lange nicht so ausgeprägt ist, wie in Deutschland. In Deutschland dürfte ich nicht länger als 8 Stunden täglich arbeiten, von dem Zeitpunkt an, an dem mein Arbeitgeber von der Schwangerschaft weiß. Eine solche Regelung gibt es hier nicht. Ebenso wenig wie es eine Regelung gibt, ab wann frau vor der Geburt Zuhause bleibt. Das entscheidet jede individuell. Man hat hier eine bestimmte Anzahl Elterntage, die Frau schon vor der Geburt nehmen kann. Aber dann minimieren sich die Tage, die man mit seinem Kind hat, was darin resultiert, dass hier so lange wie möglich gearbeitet wird. Ich muss gucken, wie das bei mir geht und wie ich mich dann zum Ende hin bewegen kann. Aber ich finde es Wahnsinn, dass ich eigentlich mal wieder gegen meinen Körper arbeite: mein Körper will Ruhe, aber der Job verlangt immer wieder Arbeitstage von 12 Stunden, was dann bedeutet, dass ich morgens um 6.20 Uhr aus dem Haus gehe und abends um 20.45 Uhr nach Hause komme. Um annähernd 8 Stunden Schlaf zu bekommen, muss ich gegen 21.00 Uhr einschlafen.. Wegen der ständigen Toilettenbesuche schlafe ich keine Nacht durch. Meine Chefin meint, dass Schwangerschaft keine Krankheit sei. Nee, das ist es sicher nicht. Wobei das auch komisch ist- mit unerfülltem Kinderwunsch war ich krank, jetzt bin also gesund. Aber die Bedürfnisse ändern sich, wenn frau schwanger ist. Ich denke, das ist der Nachteil an der Sache mit der Gleichberchtigung. Mann und Frau sind nicht gleich. Wir haben unterschiedliche Bedürfnisse, insbesondere, wenn es um die Tage der Menstruation oder eben der Schwangerschaft geht. Aber da wir Frauen die gleichen Rechte wie die Männer wollen, glauben wir, wir müssten auch deren Lebensführung nacheifern. Eine Schwangere leistet sehr viel auf anderer Ebene: wie kann sie dann noch die gleiche Leistung im Arbeitsleben bringen? Ich finde das falsch. Das Leben meines Kindes werde ich jedenfalls durch diesen Wahnsinn nicht riskieren. Sollte ich merken, dass mein Körper eine Pause braucht, muss ich mich eben krank melden. Aber manchmal geht es dann doch besser als erwartetet mit einem langen Arbeitstag. Und so viele sind es auch gar nicht mehr, die Sommerferien nähern sich mit Riesenschritten. Am 3.7. ist der letzte Arbeitstag, und dann ist der Kindergarten vier Wochen zu.

Was meine Ernährung betrifft, so kann ich sagen, dass alles, was zwei Jahre lang Gültigkeit hatte, jetzt nicht mehr gilt. Ich esse Weizen, ich habe ein großes Stück Käse gekauft und die ersten Bissen seeeehr genossen! Das habe ich meiner Akupunkteurin nicht erzählt, sie fand die vielen Bananen schon nicht so gut. Sie meinte aber auch, dass es nach den ersten 12 Wochen besser werden würde. Ich bin gespannt. Ich glaube ja weiterhin an die Vorteile einer guten Ernährung, aber im Moment ist wirklich alles anders.

Morgen starte ich in eine kurze Arbeitswoche. Mittwochabend fliege ich nach Deutschland zu meinen Eltern und werde wohl auch die eine oder andere Freund treffen. Sonntag geht's dann wieder zurück. Ich freue mich auf den kleinen Heimatbesuch, es ist jetzt schon fast ein Jahr her, dass ich dort war.

Sonntag, 26. April 2015

Das Leben mit unserer Krabbe

Inzwischen sind zwei Wochen vergangen seit ich den Test gemacht habe. Was ist in der Zeit passiert? Ich denke, die Botschaft ist angekommen: wir sind wirklich schwanger, auch wenn das noch kein Arzt bestätigt hat. Aber mein Körper spricht mit mir. Mein Appetit hat sich deutlich verändert. Der morgendliche Brei, den ich seit mehr als zwei Jahren morgens sehr genossen habe, schmeckt mir nicht mehr. Der Zimt-Apfelgeschmack reizt mich so gar nicht mehr. Stattdessen liebe ich Avocados und Grapefruits! Und Bananen helfen mir auch gut vor dem Einschlafen. Laut TCM soll ich weder Bananen noch Grapefruits essen. Erstere sind schleimbildend, letztere kühlen zu sehr. Ich vertraue einfach auf meinen Körper, der wird schon wissen, was ihm gut tut und was er jetzt braucht. Zum Glück habe ich keinen Appetit auf Süßigkeiten. 

Die nächste Veränderung ist die ständige bleierne Müdigkeit. Es fühlt sich an wie ein starker Jetlag. Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, muss ich mich erst mal eine halbe Stunde hinlegen. Dummerweise stehen jetzt im Kindergarten Elterngespräche an. Ich bin froh, wenn die geschafft sind. Am Mittwochen saß ich deshalb mal wieder mit meinen Kolleginnen nach der eigentlichen Arbeit zusammen und haben über die Entwicklungen der Kinder gesprochen. Bis halb acht saßen wir, und waren trotzdem nicht fertig! Dann ging einfach nichts mehr. Ich brauche ja auch noch eine Stunde, um nach Hause zu kommen, und eigentlich ist mein Ziel, dass ich mich gegen halb neun ins Bett begeben, da ich ja um 5 Uhr morgens schon wieder aufstehen muss. Da ich zusätzlich noch mit einer Erkältung kämpfte, war es am nächsten Tag mal wieder um mich geschehen- nichts ging mehr. Also mal wieder krankgemeldet- zum dritten Mal seit Beginn der Behandlung! Im Netz habe ich gelesen, dass das Immunsystem hauptsächlich das Kind schützt, und die Mutter dafür anfälliger ist...nun, so habe ich wenigstens etwas Ruhe und Schlaf bekommen. Donnerstagabend wurde mir dann allerdings so schlecht, dass ich dachte, das halte ich nur schwer weitere sechs Wochen aus. Es folgte eine Horrornacht, in der sich mein komplettes Verdaungssystem entleerte. Das war keine Schwangerschaftsübelkeit- da hatte ich mir also auch noch einen Virus eingefangen! An Essen war erst wieder gegen Freitagabend und dann auch nur sehr vorsichtig, zu denken. Jetzt ist das wohl überstanden und mir ist nur noch nochmal schwanger übel. Denke ich jedenfalls.

Abgesehen von diesen Beschwerden bin ich in Gedanken bei unserer kleinen Krabbe. Laut Apps und Schwangerschaftsliteratur soll unser Kind nun einer Krabbe ähneln, inklusive Schwanz. Die kleine Krabbe ist so winzig wie eine Erbse, meine Gebärmutter soll so groß eine Apfelsine sein. Das kleine Herz schlägt schon, und seit dieser Woche fließt wohl auch Blut durch die winzigen Gefäße. Außerdem bilden sich Arm- und Beinansätze, sowie die inneren Organe. Wir sind schon sehr gespannt auf unseren Termin zum Ultraschall in 10 Tagen! Mein Gefühl sagt mir, dass es der kleinen Krabbe gut geht. 

Die nächsten zwei Tage gilt es dann noch mal die Zähne zusammenbeißen- morgen Abend habe ich wieder ein Arbeitstreffen bis um 19.00 Uhr, und Dienstag haben wie Afterwork. Wir wollen zusammen essen gehen, und die Mehrheit will in ein Fischrestaurant. Ich habe die Karte schon vorwärts und rückwärts studiert, um zu gucken, welches Gericht für mich am besten bzw. am wenigsten schädlich ist. Das war keine leichte Sache. Nach wie vor will ich Milchprodukte meiden, ebenso wie Weizen, wenn ich auch bereit bin, kleine Ausnahmen zu machen. Dann will ich natürlich keinen Fisch essen, der mit Schwermetallen belastet ist. Meine Akupunkteurin hat mir von jeglichem Fischkonsum abgeraten, da die meisten Gewässer auf die eine oder andere Art und Weise belastet seien. Ich solle Fischölkapseln nehmen. Ok, außerdem schließe ich natürlich Soßen auf Alkoholbasis aus. Ebenso wie ich keinen Gravadlachs und keine Aioli esse. In Frage kommen würde also das Biff mit Zwiebeln, wenn ich beim Kartoffelbrei kompromissbereit wäre. Das ganze soll dann 30 Euro kosten!!!! Das letzte Mal als ich Biff gegessen habe, kaute ich und kaute. Das war kein Vergnügen. Ich kann Fleisch essen, aber eher als Beilage denn als Hauptgericht. Also habe ich mir für den Krabbensalat entschieden, aber dann ohne Rhode Island Soße. Das liegt mir dann abends sicher auch nichts so schwer im Magen. Und kostet "nur" 22 Euro. Ich finde, die Schweden spinnen. Ich wäre ja bereit, soviel Geld zu bezahlen, wenn ich wüsste, dass es sich um Bio-Lebensmittel handeln würde. Aber dieses Restaurant oder Brasserie wie sie sich nennen, gehört einer Kette von mehreren Läden an, die sich keineswegs in dieser Richtung auszeichnen. Tja, wir leben in einer Demokratie und die Mehrheit hat sich dafür und gegen das vegetarische Restaurant entschieden. Mitgehangen, mitgefangen.