Samstag, 28. Februar 2015

Retortenkinder

Mittwoch habe ich meinen Anspruch an Professionalität beiseite gewischt und habe nochmal mit der Mutter gesprochen, die mich neulich auf meinen Kinderwunsch ansprach. Sie berichtete von zwei weiteren Kindern im Kindergarten, die durch IVF entstanden sind. Ganz normale und sehr geliebte Kinder. Bei dem einen hatte ich es schon geahnt, bei dem anderen überhaupt nicht. So kenne ich jetzt also schon vier Kinder, die auf diesem Wege ins Leben gekommen sind. Mich beruhigt das. Zum einen ist es eine Bestätigung, dass der beschwerliche Weg der Kinderlosigkeit ein positives Ende nehmen kann, zum anderen ist es ein weiterer Beweis, dass wir nicht alleine sind mit dieser Situation. Und ich gehe davon aus, dass es noch weitere Kinder bei uns gibt, von denen ich es nicht weiß.
Gestern wurde mir sehr warm ums Herz. Das eine Kind erzählte mir beim Wickeln, dass sie wütend auf ihren Vater gewesen sei, weil er ihr die Bausteine weggenommen habe. Wir sprechen im Moment viel über Gefühle und einige von unseren Kindern haben angefangen, Ereignisse mit ihren Gefühlen in Verbindung zu bringen. Dieses Kind also auch. Dann fragte ich, wie es sich jetzt fühle. Jetzt sei sie glücklich. Ich fragte, warum sie glücklich sei. Weil sie einen lieben Papa und eine liebe Mama habe. Ist das nicht schön gesagt? Stellt euch vor, dass euer Wunschkind das einmal sagen wird!

Montag, 23. Februar 2015

Gedankenkino, Spekulation

Während ich auf die Mens warte und mir mehrmals täglich überlege, ob der Eisprung wohl vor oder hinter mir liegt, gebe ich mich neuen Gedankenspielen hin. Was ist, wenn wir Eltern geworden sind und noch einen oder mehrere Eskimos im Eis haben? Das ist zum jetzigen Zeitpunkt zwar Spekulation, aber ja nicht ausgeschlossen. Wären wir bereit zum Spenden an ein Paar mit Kinderwunsch? Ich weiß nicht, ob das in Schweden jetzt möglich ist, aber vielleicht ist es das in ein paar Jahren? Es ist ein komischer Gedanke, dass ein leibliches Kind sonstwo aufwachsen würde. Natürlich würde ich meine Zustimmung geben, dass man dem Kind von uns berichten darf. Und wie würde dann eine Begegnung aussehen? Würde die Frage aufkommen, warum es nicht bei uns aufwächst? Weil wir bzw. die Ärzte und die Natur einem Geschwisterchen den Vorrang gegeben haben? Nee, diese Gedanken gefallen mir nicht. Was sind die Alternativen? Eine Spende an die Wissenschaft? Hm. Wann entsteht denn die Seele? Ich muss dazu sagen, dass ich überzeugte Arteistin bin und so gar nicht an Gott glaube. Aber jeder Mensch hat eine Seele. Entsteht die nicht vielleicht bei der Befruchtung? Dürfen wir eine Seele zerstören im Sinne der Wissenschaft? Ich bin mir natürlich bewusst, dass auch wir von der Wissenschaft profitieren. Am besten gefällt mir der Gedanke, dass ich alles bei mir aufnehme, wenns mehrere sind, dann nach und nach. Sehr wahrscheinlich tritt ja nicht bei allen eine Schwangerschaft ein. Und dann ist die Frage offen, um wie viele es sich dann tatsächlich handeln wird, wenn es überhaupt zu diesem Szenario kommt. Das ist natürlich alles noch überhaupt nicht mit dem Kapitän abgesprochen, und er würde auch nur die Augen verdrehen, wenn ich von diesen Gedankengängen erzählen würde. Er hat ja recht: fangen wir doch erst mal mit der Behandlung an und gucken, wie es läuft. Seufz. Ich weiß. Ich vertreibe mir im Grunde ja nur ein wenig die Wartezeit. Seit Tagen zeigt es im Bauch, und er ist aufgequollen. Keine Ahnung, was mein Körper mir sagen will. Nimmt er Anlauf zum Eisprung oder sind das zeitige PMS-Beschwerden? We will see.

Freitag, 20. Februar 2015

Zwiespalt

Heute wurde mir zum ersten Mal bewusst, dass meine Offenheit zum Thema Kinderwunsch auch Überraschungen mit sich bringen kann. Ich sollte dem Kindergarten zusammen mit einer neuen Kollegin schließen. Wir hatten zum Schluss nur noch drei Kinder dort, wovon zwei Mütter bereits angekommen waren, um ihre Kinder einzusammeln. Dann sprach mich unverhofft die eine Mutter an, dass sie von ihrer Mutter von unserem Kinderwunsch erfahren habe. Da war ich baff. Ich hatte ja noch nicht mal registriert, dass wir alleine im Raum waren. Ihre Mutter ist eine Kollegin aus dem anderen Kindergarten, wir haben die gleiche Chefin und haben manchmal Kurse zusammen. Im Juni war ich außerdem mal dort mit einem Kind und habe dort zwei Vormittage verbracht. Die Kollegin fragte, ob ich Kinder wolle, und wie ich so bin, habe ich ihr erzählt, dass wir es schon eine Zeit versuchen. Natürlich wusste ich, dass sie Oma von einem Kind bei uns ist. Aber da ich privat und beruflich generell trenne, habe ich überhaupt nicht damit gerechnet, dass sie es ihrer Tochter erzählen würde, sprich der Mutter des Kindes bei uns. Die Kollegin deutet schon damals an, dass es reines Glück sei, dass sie ein Enkelkind bekommen habe. Lange hätten sie daran nicht geglaubt. Da dachte ich mir meinen Teil, habe aber nicht nachgehakt und wäre natürlich nie auf den Gedanken gekommen, die Mutter des Kindes bei uns darauf anzusprechen. Nun ja. Jetzt weiß ich nicht, wie ich das finden soll. Sie erzählte, dass sie sich um ein Geschwisterchen bemühen würden, und dass sie im November eine Fehlgeburt hatte. Sie meinte, dass das alles nicht leicht sei. Bei der kontrastuntersuchung hätten sie einen Schatten in der Gebärmutter gefunden. Sie wusste noch nicht, was das ist, u.U. Eine Narbe von der Geburt. Ich hatte das Gefühl, dass sie sich nach einer Vertrauten sehnte. Aber irgendwie bin ich dafür nicht die richtige, und vor allem war es nicht der richtige Ort. Ich hatte ihr kurz erzählt, dass wir kurz vor unserer ersten IVF stehen, und dann kam schon die andere Mutter in den Raum, und das Gespräch nahm ein abruptes Ende. Jetzt fühle ich mich hin und her gerissen. Einerseits wünsche ich mir Offenheit zu diesem Thema, und tausche mich gerne aus, andererseits ist das ein sehr intimes Thema, welches eine Vertrautheit voraussetzt, die einer professionellen Distanz widerspricht. Andererseits finde ich die Mutter schon sehr mutig, oder sie ist wirklich verzweifelt, dass sie es wagt, mich darauf anzusprechen und eben auch von sich selbst zu berichten. Ich meine, sie muss mir ja auch Vertrauen, dass ich nicht gleich allen von der Fehlgeburt u.ä. berichte. Ach, es wäre natürlich schön, länger und ausführlicher mit ihr zu reden! Mal gucken. Wahrscheinlich wird es sich sowieso nicht ergeben, da ich meist schon nach Hause gegangen bin, wenn sie ihr Kind abholt. Ansonsten bin ich eben weniger professionell. Der Junge ist noch bis zum Sommer in meiner Gruppe, dann wird er wohl in die andere wechseln. Und ich will ja eh nicht mehr ewig arbeiten...

Donnerstag, 19. Februar 2015

Entgiftung

Laut meiner Akupunkteurin entgiftet mein Körper gerade. Ich habe ihr erzählt, dass ich in letzter Zeit viel schwitze und vor allem den Duft als unangenehm wahrnehme. Bakterien meint sie. Sie sieht einen Zusammenhang zu den Lapachotropfen, die ich seit einer Woche nehme, aber genau genommen hat die Schwitzerei schon vorher angegangen. Ich soll auf jeden Fall viel trinken und wenn möglich in die Sauna gehen. Entgiftung ist eine sinnvolle Sache, der Schweißgeruch lässt sich in diesem Bewusstsein besser ertragen. Keine Sorge, auch das Deo kommt jetzt häufiger mal zwischen durch zum Einsatz! Die positive Rückmeldung ist, dass meine Haut im Gesicht tatsächlich viel besser geworden ist- die Tropfen haben also wirklich geholfen. Mir soll es recht sein, wenn mein Körper vor dem großen Eingriff nochmal so richtig aufräumt.

Im übrigen bin ich sehr stolz auf den Kapitän: er hatte sich gestern mit der befreundeten ehemaligen Arbeitskollegin getroffen, die jetzt schwanger ist. Wir mögen sie beide und ihren Mann total gerne, und ich ahnte bereits, dass hinter dieser Schwangerschaft eine längere Geschichte steckt. Und siehe da- der Kaptitän erzählte von uns und unserem Kinderwunsch- zum erstem Mal von sich aus! Ich hatte Recht, sie hatten schon einige IVFs hinter sich. Wie schön, dass es dann zum Schluss geklappt hat. Sonst habe ich immer erzählt, ich gehe damit eigentlich recht offen um, was für ihn vielleicht nicht immer ganz leicht war. Es betrifft uns ja nun mal beide. Umso mehr freut es mich zu hören, dass er von sich selbst auf das Thema gekommen ist. Und mit einer betroffenen Freundin darüber zu reden, tut sicher gut. Ich glaube, dass es für Männer manchmal leichter sei kann, mit einer Frau über delikate Sachen zu reden. Für ein Gespräch von Mann zu Mann ist das anscheinend weniger ein Thema.

Ansonsten warte ich weiter auf den Eisprung. Jetzt ist Tag 18. Er müsste jetzt ja irgendwann passieren. Laut Temperaturkurve war es noch nicht so weit. Die Messungen fangen auch schon wieder an, mich zu stressen. Ich warte eben auf den Anstieg der Temperatur und bin dann morgens enttäuscht, wenn das nicht der Fall ist. Hm. Aber jetzt ist bald Wochenende, und dann kann ich hoffentlich länger schlafen und messe dann sowieso nicht. Wochenende, das ist Musik in meinen Ohren. Und jetzt ist Feierabend und abhängen vor der Leinwand angesagt.

Montag, 16. Februar 2015

Info an die Chefin

Heute hatte ich ja mein Gehaltsgespräch mit der Chefin. Sie fragte gleich zu Beginn, ob ich selber etwas sagen möchte. Da habe ich ihr erzählt, dass ich mich bald einer medizinischen Behandlung unterziehen werde und deshalb Arzttermine wahrnehmen muss. Sie machte ein erschrecktes Gesicht und versuchte herauszufinden, wie ernst es um mich steht. Ich hatte schon fast Mitleid mit ihr, blieb aber hart. Sterben würde ich aller Voraussicht nicht, und nein, trotz Schweigepflicht wolle ich mich nicht näher dazu äußern. Sie hat es dann so hingenommen, was soll sie auch machen. Was das eigentliche Thema, nämlich das Gehalt, betrifft, so ging sie mit mir eine Tabelle durch und erklärte, dass sie mich und meine Arbeit sehr schätzt. Trotz vieler positiven Worte hatte sich mich im Mittelfeld eingeordnet. Ich fragte sie dann, was ich machen müsste, um im besten Bereich zu landen. Oh. Da wusste sie nichts mehr zu sagen. Da muss sie überlegen. Willkommen in Schweden! Im Land, in dem lagom ein sehr gebräuchliches Wort ist. Lagom bedeutet: genau richtig, nicht zu viel und nicht zu wenig. Und trotzdem will sie Gehälter nach Leistung bezahlen. Wie gut, dass sie jetzt 1 1/2 Jahre eine Ausbildung zu mehr Führungskompetenz macht. Naja, das nur am Rande. Ich bin froh, dass ich jetzt in Ruhe zu den Arztterminen gehen kann.

Ich spüre, dass sich mein Eisprung nähert und bin sehr gespannt, wie lange dieser Zyklus wird. Heute ist Zyklustag 15. Spaßeshalber werde ich mich heute noch mal mit dem Kapitän vergnügen. Vielleicht haben die Antioxidanzien ja doch eine Wirkung gehabt?
Im übrigen ist der Kapitän im Moment sportlich deutlich engagierter. Er hat eine App gefunden, die ihm sagt, wie viele Schritte, Treppenstufen und Kilometer er am Tag zurück gelegt hat. Und wir haben festgestellt, dass auch mein Telefon meine Schritte und Kilometer gemessen hat. So können wir jetzt vergleichen, was ihn anspornt. Und er hat sich im neuen Fitness Center angemeldet. Ich bin mal wieder stolz auf ihn. Nicht zu vergessen, dass er schon seit unserem Umzug jede Woche Basketballspielen geht. Ein Hoch auf den Kapitän!

Samstag, 14. Februar 2015

Time for Breakfast: sehr empfehlenswertes Rezept von Green Kitchen Stories- tumeric breakfast muffins


Nach dem euphorischem Hoch

... Folgt die Ernüchterung. Naja, nicht so ganz, ich freue mich immer noch, aber ich kann schließlich jetzt nicht wochenlang euphorisch sein. Zumal das Ergebnis der Behandlung ja weiterhin offen ist. Es fühlt sich an, als hätten wir eine tolle und langersehnte Reise gebucht, alle Vorbereitungen getroffen und müssten jetzt die Zeit bis zum Abflug rumkriegen. Da stellt sich zwangsläufig der Alltag wieder ein. Ich war die letzten Tage so müde und habe mich so auf das Wochenende gefreut, insbesondere auf das längere schlafen. Kein Chance, meine innere Uhr kann nicht zwischen Wochentag und Wochenende unterscheiden, also bin ich doch wieder vor 6 Uhr aufgestanden und nutze die Zeit für diesen Post. Dann schlafe ich eben mittags noch ein wenig.
Am Donnerstag war ich bei meiner Akupunkteurin. Sie fand es auch gut, dass wir jetzt anfangen und meinte, dass schon andere Patientinnen positiv über die Klinik gesprochen hätten. Sie hat mir für die Zeit bis zum Behandlungsbeginn noch ein Naturheilmittel empfohlen, dass wohl wie ein natürliches Antibiotika wirkt, allerdings ohne die guten Bakterien zu töten: Pau d'Arco (lapachorinde) in Tropfen. Sie ist darauf gekommen, weil ich etwas roten Ausschlag unter der Nase und um den Mund habe. Der stört mich sowieso schon seit ein paar Wochen, es wäre wirklich schön, wenn der verschwinden würde.
Ansonsten bin ich sehr gespannt, ob sich die Spermien vom Kapitän vielleicht doch gebessert haben, nachdem er nun seit Monaten eine ganze Reihe von Vitaminen und Mineralstoffen schluckt. Die Ärztin hatte nämlich gesagt, dass man am Tag der Punktion guckt, ob die Spermien besser geworden sind und man statt ICSI eine gewöhnliche IN-Vitro machen kann. Das wäre natürlich schön, dann könnten wir der Natur etwas mehr Raum geben. Naja, wir werden sehen.
Am Montag habe ich das Gehaltsgespräch mit der Chefin. Eigentlich wollte ich es boykottieren, weil ich nicht über 20 oder 30 Euro mehr Gehalt diskutieren will, wenn ich denke, dass wir alle um 500 € unterbezahlt sind. Im teuren Stockholm könnte ich von meinem Gehalt alleine nicht leben. Aber jetzt ist definitiv nicht der Zeitpunkt mit der Chefin einen Streit vom Zaun zu brechen, vielmehr werde ich ich die Zeit nutzen, um ihr darzulegen, dass ich demnächst mehrfach mit Abwesenheit glänzen werde. Den wahren Grund werde ich ihr nicht sagen, sie wird nur erfahren, dass ich mich einer medizinischen Behandlung unterziehen werden, die häufigere Ärztebesuche beinhaltet. Das ist die Sprachregelung, die mir die Klinik empfohlen hat.
Einem Teil meiner Kolleginnen habe ich die Wahrheit schon erzählt. Wie gesagt, es ist wie mit einer gebuchten Reise, und von der hätte ich ja auch erzählt. Sie freuten sich mit mir und waren sehr interessiert.