Samstag, 18. Juni 2016

Ein ganzes halbes Jahr

Unsere Madam ist inzwischen 6 Monate und 2 Tage alt. Es ist unglaublich, wie sie sich in der Zeit entwickelt hat. Von dem kleinen Säugling, der eigentlich am liebsten auf Mama und an der Brust hängt zu einer richtigen kleinen Persönlichkeit, die kaum noch Zeit zum trinken hat. Jetzt muss schließlich die Welt entdeckt werden. Sie kugelt durch das ganze Wohnzimmer und gibt immer wieder neue Laute von sich. Meistens ist sie ein fröhliches Kind und zieht schnell alle Menschen in ihren Bann. 

Inzwischen würde ich sagen, dass ich angekommen bin in meiner Rolle als Mama. Was war für mich überraschend dabei? Dass ich in den ersten Monaten so unsicher gewesen bin, wenn es darum ging, das Haus zu verlassen. Es war für mich kaum auszuhalten, wenn die Kleine im Wagen oder in der Tragehilfe schreit und ich ihrem Bedürfnis nach meiner Brust dann womöglich nicht sofort nachkommen kann, weil wir vielleicht gerade im Supermarkt an der Kasse stehen und es außerdem Winter war mit all den dicken Klamotten zwischen uns. Ich hatte mich bis dahin immer als cool erlebt, wenn es um Kindergeschrei ging. Da ist es doch etwas ganz anderes mit einem so kleinen eigenen Säugling. Dann hätte ich wohl auch nicht erwartet, dass ich tagsüber so viele Stunden an den Sessel gebunden sein werde, weil sie eben nur auf mir schläft und jedes mal wach wird, wenn ich versuche, sie wegzulegen. Diese Phase ist allerdings vorbei. Sowieso steht der Babyschlaf über allem. Das macht Auswärtstermine immer noch zu einer Herausforderung, wobei die deutlich kleiner sind, einfach durch die wärmeren Temperaturen und dass sie jetzt ja kaum noch unterwegs die Brust verlangt. Aber ihr Schlaf bestimmt meinen Tag. Im Moment kann sie ungefähr zwei Stunden wach sein bis sie wieder müde wird. Dann schläft sie eine Weile, was alles zwischen 20 Minuten und 2,5 Stunden sein kann. Das macht eine Planung im Voraus nahezu unmöglich, jedenfalls wenn man sich vornimmt, ihren Schlaf nicht zu stören. Planung ist sowieso etwas, was man sich mit Kind schnell abgewöhnen kann. Hat man sich an etwas gewöhnt, geht die Entwicklung schon wieder weiter. Es ist also immer spannend.

Dank Facebook und der unzähligen Stunden im Sessel habe ich viel gelernt rund ums Thema Kind. Z.b. habe ich von EC- Elimination Communication erfahren. Danach geht es um die Kommunikation über das Bedürfnis des Kindes sich zu entleeren, sprich auf Toilette zu gehen. Das haben wir von Anfang an praktiziert (sprich: ich). Es klappt hervorragend, und schmutzige Windeln haben wir nur selten. Nasse dagegen regelmäßig, da sie ständig pinkelt. Da kommt keiner hinterher, aber das wird wohl später anders werden. Im Zusammenhang mit dem Toilettengang kamen die Stoffwindeln ins Spiel. Ich hätte es eigentlich ahnen können, dass das gut zu mir passt- zu meiner Vorstellung, dass wir was tun müssen, um die Umwelt zu schützen und so wenig Gifte wie möglich an unsere Kinder ranlassen sollten. Jetzt gibt es Windeln aus Baumwolle, Bambus oder Hanf mit Wollüberhose wenn wir zuhause sind und nur noch unterwegs die Plastikwindeln. Da sind wir auch schon beim nächsten Stichwort- Wolle. Man braucht nicht unzählige Baumwollbodys- drei Bodys aus Wolle/Seide sind vollkommen ausreichend. Wolle ist ein tolles Material, und gerade meine große Leidenschaft. In den wenigen freien Minuten wird gehäkelt und gestrickt. Es sind schon einige Tiere dabei entstanden und gerade häkel ich an einer Jacke, in die sie allerdings noch reinwachsen muss.
Dann bin ich in die Welt der Tragetücher abgetaucht, und habe inzwischen drei zuhause liegen. Auch das kam etwas unerwartet und hat sich so entwickelt. Am Anfang fragt man sich, warum man mehr als ein Tuch braucht. Es mag ja sogar Leute geben, die KEINS haben, aber da weiß ich ehrlich gesagt nicht, wie die zurecht kommen. Wenn hier nichts geht und das Kind die Brust nur anschreit und trotz aller Bemühungen doch mal übermüdet sein sollte- das Tuch geht immer. Und es gibt viele schöne Tücher auf dieser Welt.

Eine weitere Welt zum Abtauchen ist die Welt ums Essen herum. Ich habe mich für die Methode BLW- Baby led Weaning entschieden und werde somit keinen Brei füttern. Das steht jetzt an und ist schon fast zu spannend für das Mamaherz. Sie könnte ja ein Stück in die Luftröhre bekommen und daran ersticken .. Jetzt warte ich erstmal auf die Lieferung von Avocado und Banane, da scheint mir noch am ungefährlichsten, weil eher musige Konsistenz. Oder sie bekommt einfach einen Löffel von meinem Brei oder Suppe und kann dann damit die Feinmotorik üben und neue Geschmäcker kennen lernen. Darum geht es jetzt ja eh. Bis auf weiteres ist Muttermilch die Hauptnahrungsquelle. An Abstillen denke ich nicht. Allerdings habe ich jetzt tatsächlich einen Studienplatz bekommen und werde im Herbst ein wenig an die Uni gehen, damit ich hier als anerkannte Erzieherin arbeiten und entsprechend mehr verdienen kann. Es geht gleich mit einer Herausforderung los: ich haben einen Einführungstag im August von 9.00-17.00 Uhr. Kürzlich habe ich versucht, Milch abzupumpen, was ungefähr genauso scheiterte wie der Versuch, der kleinen Madam, die Flasche zu geben. Damit konnte sie gar nichts anfangen und hat mich nur erstaunt angeguckt während ihr der Milchersatz an den Mundwinkeln wieder heraus lief. Wir werden sehen. Zur Not muss der Kapitän alle paar Stunden zur Uni um die Milchzufuhr zu sichern. Immerhin konnte ich die Einführung von drei auf einen Tag runterhandeln.. Wenn ich Glück habe, kann ich das Studium auf eine Eignungsprüfung verkürzen, was natürlich die eleganteste Lösung wäre. Aber mit solchen Dingen habe ich eigentlich immer Glück, so dass ich ganz zuversichtlich bin. 

Wie geht es jetzt also weiter nachdem sich der Lebenstraum erfüllt hat? Ich werde also meine Ausbildung aufbessern, nicht allein des Geldes wegen, sondern auch, um gute Arbeitsbedingungen aushandeln zu können. Erzieherinnen werden hier händeringend gesucht, es gibt viel zu wenige. Da kann man dann schon mal was fordern. Für mich ist Zeit das wichtigste Argument. Ich möchte die Kleine so früh wie möglich aus dem Kindergarten abholen können, sprich- am liebsten um 14.00 Uhr, spätestens aber um 15.00 Uhr. Ich will schließlich nicht nur ein eigenes Kind, sondern auch Zeit mit ihm verbringen. Deswegen soll sie auch erst mit zwei Jahren in den Kindergarten kommen. Die meisten schwedischen Kinder fangen mit 1,5 Jahren an, weil dann das Elterngeld aufgebraucht ist. Wir strecken das ein wenig und haben so natürlich monatlich weniger, aber es reicht länger. Ich bleibe die ersten 1,5 Jahre zuhause, also bis nächsten August, und dann übernimmt der Kapitän noch einmal für ein halbes Jahr. Das wird sicher für alle auch noch mal spannend, wenn die Rollen getauscht werden. Bis jetzt liegt die Hauptverantwortung bei mir, sicher auch wegen des Stillens und weil ich zuhause bin. Aber Tragen und Baden könnte der Kapitän natürlich auch mal übernehmen...aber alles ist in der Entwicklung, und wie schon angedeutet, kommt sein Einsatz noch. Grundsätzlich ist er aber ein toller Vater, er spielt ganz lieb mit unserer kleinen Madam und zeigt ihr gerne die Welt.

Und so stelle ich mir unser zukünftiges Leben vor: der Kapitän arbeitet 100% und ich etwa 75%, und die Kleine geht von 8.00 Uhr bis 14.00/15.00 Uhr in den Kindergarten. Eine Alternative wäre, dass wir beide 80% arbeiten, aber daraus wird wohl nichts. Der Kapitän meint, das würde in seinem Job nicht gehen. Um uns herum gibt es schon jetzt ganz viele Babys und Kleinkinder, so dass es an Spielkameraden keinen Mangel geben wird. Manchmal wünsche ich mir schon ein Geschwisterchen. Es fällt mir sehr schwer, mich von den kleinen Lieblingsklamotten für immer und ewig zu verabschieden. Und was ist, wenn sie erwachsen ist und wir alt werden? Sie ist sowohl in der Familie vom Kapitän als auch in meiner Familie das einzige Kind, von den beiden Kindern der Kusine des Kapitäns mal abgesehen. Das ist schon auch eine gewisse Verantwortung, die sich geteilt vielleicht besser tragen ließe. Ich würde also einer nochmaligen künstlichen Befruchtung nicht negativ entgegenstehen. Aber der Kapitän will nicht. Er wollte immer nur ein Kind haben. Und mit ganz viel Glück gibt es ja jetzt ein wundervolles Kind in unserem Leben! Es ist immer noch unfassbar, welchen Wirbel unser 5zeller in unser Leben gebracht hat. Wow.

Und das ist dann auch ein gutes Schlusswort: Wow. Welche eine Reise und welch ein Ergebnis. Und damit werde ich mich jetzt vom Blog verabschieden. Er bleibt im Netz, aber ich schreibe nicht weiter. Dazu habe ich auch wirklich keine Zeit mehr. Die Zeit, in denen sie schläft, sind unendlich kostbar. 
Ich wünsche abschließend allen, die noch auf das Elternglück warten, dass ihr Wunsch in Erfüllung gehen möge. Und ich bedanke mich bei allen, die mir gefolgt sind und denen ich folgen durfte. Diese Gemeinschaft der Blogwelt hat mir sehr geholfen, in einer Zeit, die nicht immer leicht zu ertragen war. Ich fühlte mich weniger alleine und mehr verstanden. Vielen Dank und viel Glück für die Zukunft!


P.S. Das Boot kommt schon noch irgendwann. Da mache ich mir keine Sorgen, auch wenn wir gerade gehört haben, dass man 30 Jahre auf einen Bootsplatz bei uns warten muss. Der Hafen ist übrigens noch nicht mal gebaut...

Sonntag, 3. Januar 2016

Jahresrückblick: das verflixte 7. Jahr

LDer Kapitän und ich haben uns Silvester 2008/2009 kennen- und lieben gelernt. Somit war 2015 unser 7. Jahr zusammen. Und es war mit Abstand unser bestes. Vor einem Jahr wagten wir nicht davon zu träumen, schon Weihnachten zu dritt verbringen zu dürfen. Vor einem Jahr hieß es WARTEN. Warten auf den Behandlungsbeginn, den wir irgendwann im April vermuteten. Und dann ging es plötzlich schnell. Da wir nichts von der Klinik hörten, rief ich an um nachzufragen. Und wie durch ein Wunder bekamen wir dadurch einen früheren Termin weil ein anderes Paar abgesagt hatte. Erstgespräch also schon im Februar! Ich kann mich noch genau an den magischen Zyklustag 1 erinnern- es war ein sonniger Wintertag Anfang März (ein Sonntag), und wir machten einen Ausflug in einen schönen Vorort ans Wasser. Für mich bedeutete dieser erste Tag damals nur, dass es endlich mal wieder vorwärts gehen würde. Ich wagte nicht zu hoffen, dass dieser Schritt auch tatsächlich endlich Früchte tragen würde. Nein, dank unseres bisherigen langwierigen Weges und all den Geschichten hier aus der Blogwelt war ich auf mehrere Versuche eingestellt. Aber seit Spritzenbeginn lief tatsächlich mal alles wie gewünscht. Mein Körper tat, was von ihm verlangt wurde. Der einzige Wermutstropfen am ganzen Prozess ist, dass es kein einziges Eisbärchen gibt. Damit ist der Traum von einem Geschwisterchen ausgeträumt. Obwohl die Behandlung so gut verlaufen ist, und ich quasi eine Bilderbuchschwangerschaft (abgesehen von dem nervigen Karpaltunnelsyndrom) hatte und jetzt noch mit einem perfekten Kind belohnt worden bin- nochmal muss ich das nicht haben. Ich werde dieses Jahr 40 und eine weitere Behandlung müssten wir dann auch voll selber bezahlen. Nein, ich bin sehr dankbar, ebenso wie der Kapitän, für unsere bezaubernde Prinzessin. Das Schicksal hat es gut mit uns gemeint. Wir sind zu dritt, und das ist einfach gut so.


Ja, das restliche Jahr war dann geprägt von der Schwangerschaft und der Vorfreude auf unsere Madam. Der Bauch wuchs und wir genossen die immer stärker werdenden Bewegungen unter der Bauchdecke. Trotzdem war der Gedanke bis zuletzt unfassbar: da wächst tatsächlich unsere Tochter heran!

Das Leben drum herum nahm an Bedeutung ab. Schlechte Stimmung unter den Kolleginnen prallte eher an mir ab, da dies ja nur noch für kurze Zeit relevant war. Schwierige Eltern im Kindergarten waren ebenso nicht mehr lange mein Problem. Usw.

Und dann das absolute Highlight dieses Jahres: die Geburt am 16.12.

Sie ging los am 15.12. Der Schleimpropf war bereits zwei Tage vorher abgegangen. Seit Tagen hatte ich Vorwehen, die sich wie Regelschmerzen anfühlten. Am 15.12. bemerkte ich morgens um 5.00 Uhr etwas feuchtes zwischen den Beinen und war unsicher, ob es Fruchtwasser sein könnte. Ich rief in der Klinik an und bekam einen Termin für 8.30 Uhr zur Kontrolle. Gegen 6.00 Uhr fingen die Wehen an. Sie waren noch nicht so stark, so dass wir mit Bus und U-Bahn hingefahren sind. Es war nicht das Fruchtwasser, was mich beruhigte, da ich gerne in die warme Badewanne steigen wollte, um den Schmerz besser ertragen zu können. Der Muttermund war morgens 2 cm offen. Wir sind dann erstmal wieder nach Hause gefahren und ich habe mich direkt ins warme Wasser begeben. Nach etwa einer Stunde wurden die Wehen stärker und ich wurde etwas unruhig, weil ich mich nicht allzu spät auf den Weg machen wollte. Eine Freundin von mir hat ihr erstes Kind zuhause bekommen, weil sie es dann doch nicht mehr ins Geburtshaus geschafft hatte. Auch wenn es also unwahrscheinlich ist- auch beim ersten Kind kann es schneller gehen als die Hebammen glauben. Also waren wir gegen 13.00 Uhr erneut in der Klinik, diesmal mit dem Taxi und Gepäck. Die Fahrt war denn auch schon nicht mehr so angenehm aufgrund der Wehen, die alle zwei bis drei Minuten kamen. Wie schon morgens wurde ich wieder an ein Gerät angeschlossen, das die Wehen und die Herztöne des Kindes misst. Außerdem äußerte ich direkt meinen Wunsch, bleiben zu wollen. Keinesfalls wollte ich die Strecke nochmal hin- und herfahren. Zum Glück gab es nichts dagegen einzuwenden. Die Wehen waren zwar noch nicht so stark, aber häufig genug, und der Muttermund war inzwischen 5 cm offen. Es war grad Schichtwechsel, und zu dem Zeitpunkt hofften der Kapitän und ich, dass wir es mit dieser Hebamme und dieser Krankenschwester bis zur Geburt schaffen würden. Die Schicht dauerte immerhin bis 21.00 Uhr. Nun, erst sah es auch ganz danach aus: ziemlich schnell ging es dort wie von mir gewünscht in die Badewanne. Dieser Teil verlief traumhaft. Im Hintergrund lief eine Entspannungs-CD, das Licht war gedämpft und in die Wanne wurde immer wieder neues warmes Wasser gelassen. Ich bekam Smothies und andere Getränke gereicht und konzentrierte mich auf die Atmung während der Wehen und unterhielt mich ansonsten mit unseren beiden Fachkräften. Es ließ sich gut aushalten. Und als ich dann gegen 17.00 Uhr untersucht wurde, war der Muttermund tatsächlich volle 10 cm offen! Ich habe viel Lob bekommen und war unendlich stolz. 10 cm offen- und ganz ohne Schmerzmittel! Es war allerdings noch ein kleine Kante am Gebärmutterhals zurückgeblieben, die den Durchtritt des Kindes verhinderte.  Ich bin erstmal wieder in die Wanne, aber bei erneuter Untersuchung hatte sich hinsichtlich der Kante nichts geändert. Mir wurde daher empfohlen, mal außerhalb der Wanne andere Stellungen auszuprobieren. Die Wehen waren inzwischen stärker, so dass ich mich entschied, Lachgas auszuprobieren. Das war aber nicht mein Ding. Ich spürte keine Wirkung, und es lenkte mich von meiner Atmung ab. Dann haben wir Quaddeln ausprobiert, die beim Setzen aber so weh taten, dass wir das nicht weiter verfolgt haben. Da sich bzgl. der Kante nichts tat, musste ich schließlich an den Wehentropf. Dieser hatte zur Folge, dass die Schmerzen immer unerträglicher wurden. Hinzu kam die Frustration, dass auch eine weitere Untersuchung keine Veränderung hinsichtlich der Kante ergab. Schließlich erschien die PDA die einzige Rettung. Es war schließlich nicht absehbar, wie lange ich diese Wehenstärke noch aushalten sollte. Ich konnte einfach nicht mehr. Es war dann auch wirklich eine Erleichterung. Allerdings zitterte nun mein ganzer Körper wie Espenlaub. Das sei die weichende Anspannung, meinte das Personal, welches in der Zwischenzeit gewechselt hatte. Ich hatte jetzt drei Frauen, die sich um mich kümmerten: eine Hebamme, eine Hebammenschülerin kurz vor dem Examen und eine Krankenschwester. Alle waren sehr nett. Die PDA habe ich wohl etwa um Mitternacht bekommen. Nach einiger Zeit erhöhten sich die Herztöne der Kleinen in den roten Bereich. Es machte sich eine gewisse Unruhe breit, die mich allerdings nicht richtig erfasste. Im Nachhinein würde ich sagen, dass ich intuitiv wusste, dass es ihr gut geht. Jedenfalls wurde eine Ärztin hinzugezogen, die aus dem Kopf der Kleinen eine Blutprobe entnahm, um den Laktatwert zu überprüfen. Der war leicht erhöht, so dass die Ärztin entschied, dass die Kleine jetzt mit der Saugglocke geholt werden müsste. Zu dem Zeitpunkt hätte ich allem zugestimmt, war aber trotzdem froh, dass es kein Kaiserschnitt wurde. Dann ging es ziemlich schnell. Es kamen noch mehr Personen in den Raum, ich glaube, eine Kinderärztin und eine weitere Hebamme. Ging es in all den Stunden bisher um die Atmung zu den Wehen, wurde ich jetzt aufgefordert zu pressen. Und ich presste! Das war vielleicht unangenehm, die Kleine im Geburtskanal zu spüren. Da half wirklich nur pressen. Und dann aus dieser unangenehmen Situation raus schlug meine Stimmung mit einem Mal um: unsere Tochter lag tatsächlich auf meinem Bauch! Sie grunzte leicht und ließ gleich keinen Zweifel aufkommen, dass es ihr gut ging. Da lag sie nun, unter einem Handtuch, noch mit der Nabelschnur mit mir verbunden. Schlagartig war alles andere vergessen. Entgegen meiner Annahme, ich würde in diesem Moment weinen, tat ich das nicht. Dafür kamen dem Kapitän die Tränen. Er war so tapfer die ganze Zeit und hat mir so schön beigestanden. Welch ein Moment. Ich kann euch verraten, dass mir jetzt die Tränen laufen, während ich diese Zeilen schreibe. Nach einiger Zeit durfte er die Nabelschnur durchschneiden. Die Kleine ließ man auf mir liegen. Sie durfte sich in aller Ruhe zur Brust begeben und hat auch wirklich mit kräftigem Zug zu saugen angefangen. Welch ein Wunder der Natur! Ich staune immer noch darüber, dass mein Körper nicht nur einen so perfekten Menschen schaffen konnte, sondern jetzt auch noch voll ernähren kann. Und ich staune auch, dass dieser Mensch mit seinen 3800 Gram zum einen in meinem Bauch gelebt hat, und zum anderen den Weg in die Welt gefunden hat. Nun, die Ärztin muss dazu allerdings einen Dammschnitt machen. Dieser tut immer noch weh, so dass ich davon ausgehe, dass er nicht ganz klein war. Auch wenn die Kleine jetzt geboren war: fertig waren wir noch nicht. Ich lag noch eine ganze Weile auf dem Gynstuhl. Erst wurde auf die Nachgeburt gewartet. Dann musste genäht werden. Anschließend sollte ich auf Toilette. Da wäre ich fast umgekippt, so wackelig war ich auf den Beinen. Es kam dann auch keine Urin, so dass man den mit einem Katheder abzapfen musste. Naja, all das nahm ich nur nebenbei wahr. Hatte ich doch die Kleine auf mir liegen. Bevor wir das Zimmer verließen gab es noch was zu essen. Dann ging es im Rollstuhl in unser Zimmer, in dem wir uns zwei weitere Tage aufhielten bis es dann nach Hause ging.

Das war die Geschichte von der Geburt. Inzwischen sind schon vier Wochen vergangen. Von diesen ersten Wochen zu dritt werde ich ein anderes Mal berichten. Und dann ist es Zeit, hier einen Abschluss zu finden.


Mittwoch, 23. Dezember 2015

Vor einer Woche...

...sind wir Eltern geworden! Ja, die Kleine ist heute eine Woche alt. Sie ist gesund und wog 3816 Gramm und ist 50 cm lang. Von der Geburt werde ich detailliert ein anderes mal berichten, das würde jetzt den zeitlichen Rahmen sprengen. Ich höre im Hintergrund jemanden, der langsam wach wird und dann gibt es jemanden, der gleich sehr deutlich nach der Brust verlangen wird.

Sie ist total niedlich und verzaubert uns immer wieder aufs neue. Ich hatte nicht gedacht, das selbst so kleine Kinder schon so viel können. Sie macht Grimassen mit geschlossenen Augen, bei denen man einfach lachen muss. Und wenn sie gerade nicht schläft oder trinkt guckt sie mit unheimlichem wachem Blick und verfolgt auch schon ihre Giraffe und eine Eule mit dem Blick.

Was mich überrascht hatte, ist die Tatsache, dass Stillen nicht einfach so von alleine klappt, sondern dass man die Technik auch erst lernen muss. Ich habe aber gute Hilfe bekommen, und jetzt fließt die Milch. Heute morgen tropfte sie sogar einfach so aus einer Brust. Das war beruhigend, weil wir am Anfang unsicher waren, ob die Kleine überhaupt Nahrung bekommt, da wir nie was gesehen hatten. Aber vor zwei Tagen fing sie an, einen Teil wieder auszuspucken, was auch beruhigend war. Der Kapitän hätte sich mit einer Flasche, die sich sichtbar leert, sicherer gefühlt. Zudem hatte die Kleine nur  das Kindspech direkt nach der Geburt ausgeschieden und danach seitdem nicht mehr gekackt. Erst gestern kam etwas Stuhl. Heute dann eine richtige Ladung. Kaum zu glauben, dass man darüber so glücklich sein kann. Aber wie gesagt, am Anfang hatte ich Fehler beim Stillen gemacht, so dass die Kleine wirklich zu wenig Nahrung bekam. Sie hatte nachts glaublich geschrien, und ich war überzeugt, dass sie Bauchschmerzen hat. Tatsächlich hat sie wohl vor Hunger geschrien. Die arme Kleine. Es tut mir total leid. Naja, sie hat es überlebt und hatte ja zum Glück dank meiner Plätzchen, die ich in den vergangenen Wochen vor der Geburt gegessen habe, einige Reserven. Gestern waren wir noch mal zur Kontrolle, und da war ihr Gewicht zum Glück wieder am steigen, nachdem sie am Sonntag schon 10% ihres Geburtsgewichtes abgenommen hatte.

Abschließend kann man festhalten, dass wir im siebten Himmel sind. Manchmal gucke ich sie an, und muss einfach weinen vor Glück. Sie ist so perfekt, und jetzt habe ich keine offenen Wünsche mehr. (Außer dem Boot natürlich..;)) Schlafmangel, Nachwirkungen der Geburt und schmerzende Brüste spielen dann keine Rolle mehr. Das gehört eben auch dazu.

Ich wünsche allen ein schönes Weihnachtsfest! Und drücke die Daumen für diejenigen, die noch auf dieses Glück warten, dass 2016 DAS Jahr für euch wird. Letztes Jahr um diese Zeit konnten wir nicht ahnen, dass wir dieses Weihnachten schon zu dritt sein werden. Manchmal geht es dann doch schneller als gedacht..

Freitag, 11. Dezember 2015

40. SSW: Wir warten immer noch

Tja, es war wohl reines Wunschdenken, dass die Kleine früher kommt. In drei Tagen ist sie berechnet, sie kommt also allenfalls zeitgerecht, wenn nicht gar zu spät. Ist dann halt so. Sollte sie Montag nicht kommen, werde ich mir kurzfristig einen Akupunkturtermin besorgen, um der Geburt auf die Sprünge zu helfen. Sollte alles nichts helfen, wird am 29.12. eingeleitet. Aber so weit wollen wir wirklich nicht denken! Das ist ja noch eine Ewigkeit bis dahin. Und der Bauch wächst und wächst. Der Kapitän staunt immer wieder von neuem, wenn er ihn nackt sieht.

Es geht mir aber eigentlich ganz gut mit der Wartezeit. Die Hände sind etwas besser geworden, sie tun weniger weh, auch wenn sie weiterhin geschwollen sind und oft kribbeln. Aber nachts bereiten Sie mir zumindest keine größeren Beschwerden. Ich habe aus den Schienen die Metallschienen herausgenommen und komme so deutlich besser zurecht. Dafür plagt mich jetzt immer wieder das Restless-legs-Syndrom. Ich finde oft keine Ruhe und bin hellwach. Blöd für den Kapitän, weil er jetzt abends weniger Zeit für sich und die PlayStation hat: früher bin ich zwischen 21.00 und 22.00 Uhr todmüde ins Bett gefallen. Jetzt bin ich ohne Probleme bis 23.00 Uhr auf. Naja, die Zeiten werden sich wieder ändern, ich denke, dass ich dann bald mit der Kleinen wieder früher schlafen gehe.

Der Kapitän hat mich übrigens sehr gerührt diese Woche. Am Montag hatte ich deutliche Unterleibsschmerzen, wie bei der Periode. Auch der Bauch wurde immer wieder hart, wenn auch nicht regelmäßig. Ich hatte wirklich das Gefühl, dass es der Anfang von richtigen Wehen sei. Ich habe den Kapitän im Büro angerufen und wollte ihn vorwarnen. Ich hatte ihm aber gesagt, dass noch kein Eile sei, und ich mir auch nicht wirklich sicher sei. Trotzdem hat er die Geschäfte für den Tag abgegeben oder beendet und kam schließlich früher nach Hause. Wie ihr wisst, war es ja nun falscher Alarm. Als ich ihn am nächsten Tag fragte, ob die Kollegen ihn ausgelacht hätten, sagte er nur: das wäre ja wohl voll in Ordnung gewesen, früher zu gehen, wenn die Frau kurz vor der Entbindung Schmerzen hätte. Das hat er wirklich schön gesagt.

Ansonsten habe ich einen sehr guten Zeitvertreib entdeckt: zuerst habe ich zwei Staffeln Call the midwife geguckt, was mich irgendwie noch mehr Ruhe vor der anstehenden eigenen Geburt gegeben hat. Wenn es für die Frauen aus dem armen East End im London der 50er Jahre möglich war, ihre Kinder zur Welt zu bringen, dann sollte es heute erst recht kein Problem sein! Anschließend habe ich angefangen, Downton Abbey zu sehen. Auch eine sehr empfehlenswerte Serie! Beides gibt es bei Netflix. Ich fieber so mit in den Geschichten, dass die Zeit schnell vergeht. Außerdem backe ich seit ein paar Tagen jeden Tag eine neue Sorte Plätzchen. Wenn die Kleine dann bald bei uns ist, dann können wir uns damit zuhause einkuscheln und die verbleibende Vorweihnachtszeit versüßen. Mal gucken, wie viele es noch werden...

Freitag, 20. November 2015

37.Woche- Endspurt!

Die letzten Wochen vergingen dann doch schnell, jetzt war ich schon eine Woche zuhause. Selbst hier ging die Zeit schnell rum. Die ersten Tage kam der Nestbautrieb voll durch, aber seit gestern lass ich es wieder ruhiger angehen. Meine Hände streiken. Die Nächte sind der Horror- ich wache jede Stunde auf.Oft, weil mir die Hände weh tun oder unangenehm kribbeln, oder weil ich auf Toilette muss. Außerdem gibt es nur noch zwei Schlafpositionen: auf der rechten oder der linken Seite. Dann liege ich eingekeilt zwischen Kissen. Wenn ich nicht wegen der Hände oder der Blase wach werde, dann weil die Schulter weh tut. Also alle Kissen auf die andere Seite wuchten und eine gute Position finden. Aber versteht mich nicht falsch- ich will mich nicht beklagen, ansonsten ist alles gut. Ich bin immer noch erstaunlich beweglich, was ich meiner Arbeit mit den Kindern zuschreibe. Natürlich bewege ich mich schwerfälliger als sonst, aber ich hatte es mir schlimmer vorgestellt.

Seit ich zuhause bin, merke ich, dass meine Bindung zu unserem Kind intensiver wird. Ich spreche mehr mit der Kleinen. Ist ja sonst auch keine anderer da. Bis auf den Geburtsbrief ist alles vorbereitet. Ich wollte den Brief eigentlich diese Woche schreiben, aber da meine Hände wenig belastbar sind, habe ich beschlossen, dass ich den jetzt am Wochenende mit dem Kapitän zusammen verfasse. Das ist eh gut, dass weiß er auch, was Ich mir wünsche und welche Vorstellungen ich von unserem großen Moment habe. Bisher war es wohl eher ich, die sich mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Obwohl er natürlich auch einiges auf den beiden Infoveranstaltungen gehört hat. Aber das betraf die Allgemeinheit, und in dem Brief geht es ja um meine und unsere Wünsche. Durch die 15 Yogastunden fühle ich mich gut gewappnet und sehne mich danach, das alles selbst erleben zu dürfen. Außerdem können wir es kaum noch abwarten, dass die Kleine endlich das Licht der Welt erblickt. Tatsächlich kann sie jetzt ja jeden Tag kommen. Ab Montag ist sie voll entwickelt und fertig für das Leben. Neben ihren Tritten und Bewegungen spüre ich jetzt auch immer wieder, wie sie Schluckauf hat. Es pochert dann gleichmäßig tief im Bauch, wo ihr Kopf liegen sollte.

Mit der Geburt nähert sich auch das Ende dieses Bloges. Er war als Kinderwunschblog gedacht und hat mir in dieser Zeit treue Dienste geleistet. Dann wurde er zum Schwangerschaftsblog. Das Mitteilungsbedürfnis war da schon nicht mehr so groß. Aber ich finde, es geht beim Kinderwunsch nicht nur darum schwanger zu werden, sondern im besten Fall um die Erfüllung des Kinderwunsches. Also finde ich es auch richtig, den Blog so lange weiter zu führen. Die Erfüllung unseres größten Wunsches steht nun unmittelbar bevor. Ich werde also noch von der Geburt berichten, und dann diesen Blog abschließen. Es wird keinen Babyblog geben.

Donnerstag, 15. Oktober 2015

32. Woche

Es ist immer noch fantastisch zu hören, dass mein Körper jetzt tut, was man von ihm erwartet. Heute war ich bei der Hebamme, und sie maß meine Gebärmutter. Anschließend zeigte sie mir am Computer, wie vorbildlich diese der Wachstumskurve folgt. Nach all den Jahren, in denen zumindest meine Körpertemperatur keiner Kurve folgen wollte, ist das immer noch ein Wunder. Es ist also alles gut, von den Händen mal abgesehen, aber das nehme ich als Preis für das größte Geschenk meines Lebens gerne in Kauf.

Der Bauch wächst also ordentlich, trotzdem bin ich aber noch ziemlich beweglich. Zwar laufe ich nicht mehr mit den Kindern, aber ansonsten kann ich alles machen: Windeln wechseln, beim Toalettenbesuch helfen, An- und Ausziehen, etc. Ich bin einigermaßen stolz auf mich, wenn man bedenkt, dass Erzieher in Deutschland wohl oft schon bei Bekanntwerden der Schwangerschaft nach Hause geschickt werden. Und die Jüngste bin ich ja nun auch nicht mehr...Es sieht so aus, als würde ich die geplanten nächsten vier Wochen durchhalten. Dann habe ich noch etwa weitere vier Wochen bis zur Geburt. Wenn es läuft, wie geplant. Ich glaube, dass mir die Arbeit gut tut. Ich bin so abgelenkt, dass ich nicht viel an meine geschwollenen Hände denke, meine Beweglichkeit wird sicher auch gefördert, und die Zeit geht schneller rum. Zuhause kann ich eh nicht viel machen. Nähen und Stricken fällt aus, ich würde wahrscheinlich viel rumliegen. Es ist gut so, wie es ist.

In den vergangenen Wochen war wir auf vielen Elternkursen. Theoretisch sind wir also auf die Geburt und die erste Zeit danach vorbereitet. Hier wird viel über eine aufrechte Geburtsposition gesprochen. Dabei fällt mir auf, dass ich zwar viele Geburtsgeschichten in Einzelheiten erzählt bekommen habe. Aber niemand hat mir erzählt, in welcher Stellung das Kind zur Welt gebracht wurde. Ist das in Deutschland kein Thema? Oder spricht Frau nicht gerne darüber? Unsere Klinik hat jedenfalls im letzten Jahr ein ganz neues Geburtshaus bekommen. In allen 8 Geburtszimmern gibt es eine Badewanne, was ich sehr ansprechend finde. Ich weiß zwar nicht, ob ich wirklich im Wasser gebären werde, aber vorher ist es sicher schön, mal in warme Wasser zu tauchen. Es arbeiten immer 8 Teams, eine Hebamme und eine Krankenschwester. Nur bei Komplikationen wird ein Arzt geholt. Auch das gefällt mir sehr gut. Auch wenn es eine Klinik ist, erscheint es mir doch eher wie ein Geburtshaus. Das wäre in Deutschland wohl meine Wahl gewesen. Ich bin sehr gespannt, wie ich die Geburt erleben werde. Gerne würde ich ohne Schmerzmittel auskommen, aber wenn es anders kommt, dann ist es auch ok. Das wichtige ist, dass unser Kind und ich alles gut überstehen. Natürlich ist es das, was zählt.

Am Wochenende treffe ich eine ehemalige Arbeitskollegin, die auch einen unerfüllten Kinderwunsch hatte. Sie hatte kein Glück bei IVF und hat sich dann für eine Auslandsadoption entschieden. Auf diese Weise ist sie vor einem Jahr Mutter eines afrikanischen Mädchens geworden. Der Kontakt war leider abgebrochen, aber jetzt hatte sie über Umwege von meiner Schwangerschaft gehört und sich wieder gemeldet. Ich bin sehr gespannt auf ihre Geschichte und freue mich auf das Wiedersehen.

Es wird jetzt einfach alles gut. Zu allem Glück haben wir vor ein paar Tagen erfahren, dass unsere direkten Nachbarn im Januar ihr zweites Kind erwarten. Wir haben sie lange nicht gesehen, so dass uns das entgangen ist. Da habe ich ja die Chance, die Elternzeit mit jemanden zu teilen, und unsere Tochter hat eine(n) Spielkameraden (in) im gleichen Alter direkt nebenan. Dazu kommen noch die beiden Jungs, die zwei Jahre älter sein werden. Der Kapitän sagte gleich spontan: dann machen wir einfach die Türen auf, und die Kinder können zwischen den Wohnungen hin und her laufen. Ja, das wäre ein Traum!

Samstag, 19. September 2015

28. SSW

Viele Wochen sind seit meinem letzten Post vergangen. Immer wieder hatte ich mir ein Update vorgenommen. Aber oft war ich dann doch zu erschöpft. Die letzten Wochen waren sehr anstrengend, weil im Kindergarten einfach keine Ruhe einkehren wollte. Erst gab es Unstimmigkeiten mit einer Kollegin, die durch ihr unausgeglichenes Temperament eine wiederkehrende Herausforderung darstellt. Dann mussten Gruppen umstrukturiert werden, weil wir zu viele freie Plätze haben. Und immer wieder fielen Kolleginnen wegen Krankheit aus, so dass das wir uns untereinander aushelfen mussten. Zum Glück hatten wir die letzten zwei Wochen einen guten Ersatz, so dass es zumindest in unserer Gruppe ganz harmonisch war. Aber der liebe Kollege kann halt auch nicht alle Aufgaben übernehmen, so dass letztendlich immer etwas mehr an mir und meiner Kollegin hängen blieb. Dazu kam die eine oder andere Überstunde. Es war einfach zu viel für mich, da ich mich während der Nächte ja zusätzlich noch  mit dem Karpaltunnelsyndrom abplagen musste.

Montag war ich jetzt aber bei meinem Lieblingsarzt, dem ich auch gar nicht groß erklären musste, dass  die aktuelle Situation nicht tragbar ist. Auf meinen Wunsch hat er mir eine Krankschreibung von 25% gegeben, die er aber jederzeit erweitern würde, auch bis auf 100%. Das war eine große Erleichterung. Es ist dann auch schön gewesen, nicht mehr jeden Tag um 5 Uhr aufstehen zu müssen, sondern erst gegen 7 Uhr. Akupunktur hat übrigens nicht geholfen. Laut Aussage des Arztes gibt es nichts, was hilft, außer einer Massage, mit welcher man das Wasser aus den Fingern und Händen Richtung Arm drückt. Ich habe wohl eine erbliche Veranlagung zu Wassereinlagerungen. Seitdem er das gesagt hat, sehe ich auch die Schwellung in meinen Händen. In den Füßen habe ich sie eh schon gespürt, besonders morgens.

Der Kleinen geht es sehr gut, ich spüre sie jetzt jeden Tag mehrmals. Zu meinem Bedauern ist es aber schwer eine Beziehung zu ihr aufzubauen, weil sie ihre Bewegungen schnell einstellt, wenn ich oder der Kapitän die Hände auf den Bauch legen. Aber immerhin hat er sie schon ein paar mal spüren können. Vor drei Wochen war ich bei der neuen Hebamme, die sagte, dass ich ab jetzt jeden Tag Kindsbewegungen spüren müsse, ansonsten müsste ich ins Krankenhaus zur Untersuchung. Jetzt fragt mich der Kapitän morgens und abends ob die Kleine sich schon bewegt hat.

Vorletzte Woche haben wir einen Kinderwagen bestellt. Schon vor Jahren bin ich dem Stokke verfallen, und letztes Jahr kam ein geländegängiger mit luftgefüllten Reifen auf den Markt. Der soll es jetzt sein und wird vier Wochen vor dem berechneten Geburtstermin abholbereit sein. Eine Wiege von Babybjörn haben wir gebraucht gekauft, außerdem haben wir ein Tragetuch angeschafft. 

Mich beschäftigt immer noch die Frage, wie wir aus dem Krankenhaus kommen. Wir haben kein Auto, also brauchen wir auch keine eigene Babyschale. Aber wahrscheinlich ist es wohl am besten, mit dem Taxi nach Hause zu fahren. Ich habe ja keine Ahnung, wie fit ich sein werde. Mit U-Bahn und Bus dauert der Heimweg zwar nur eine halbe Stunde, so dass ich eigentlich denke, dass auch das eine Option ist. Man kann wohl ein Taxi mit Babyschale bestellen. Oder wir kaufen doch eine von unseren Freunden mit den Zwillingen..? Luxusprobleme, ich weiß. Es ist einfach spannend, da wir ja so gar nicht wissen, wie das Leben zu dritt sein wird. Und mit welchem Temperament unsere Tochter ausgestattet sein wird. Vielleicht mag sie nicht in der Babyschale liegen und schreit die ganze Autofahrt?

Mal gucken, wir bekommen bald etwas mehr Info über die Geburt und die erste Zeit danach. Montag und Dienstag haben wir zwei Abendkurse dazu. Ich bin schon sehr gespannt.

Sonntag, 9. August 2015

Ich bin dabei

Ungefähr so hat es sich angefühlt, als ich am Dienstag zum ersten Mal beim Schwangeren-Yoga war. Um mich herum nur schwangere Frauen, und ich war eine davon. Vielleicht war ich mir dessen so bewusst, weil ich mich so lange außenvor gefühlt habe. Wobei dieses Gefühl dann doch nicht ganz so lange anhielt, denn irgendwie schienen alle um mich herum geübte Yogaprofis zu sein. Ich hatte mit einigen Übungen schon zu kämpfen, während ich bei den anderen das Gefühl hatte, dass sie trotz wesentlich dickerer Bäuche, alles mit einer gewissen Leichtigkeit nachmachten. An dieser Stelle muss ich allerdings zu meiner Entschuldigung sagen, dass ich wirkliche Probleme mit meinen Handgelenken habe, so dass Übungen im Vierfüßlerstand eine Qual waren. Ich hatte mich nicht getraut zu sagen, dass ich hier Probleme habe, aber das werde ich nächste Woche sagen. Ich kann meine Handgelenke einfach nicht in dem Maße belasten. Ansonsten denke ich, dass es mir gut tun wird, an meiner Beweglichkeit zu arbeiten. Hinzu kommt noch, dass unsere Lehrerin mit uns die vier Handwerkszeuge für eine vertrauensvolle Geburt bespricht. Auf Englisch heißt das Buch dazu wohl "confident birth". Mein Ziel ist es, eine möglichst schöne Geburt zu haben, gerne ohne viele Schmerzmittel und natürlich gerne via Geburtskanal. Dieser Yogakurs soll eine Vorbereitung dazu sein.

Um auf meine Handgelenke zurückzukommen: die machen mir nachts mitunter so große Probleme, dass ich Donnerstag kurzentschlossen bei meiner Akupunkteurin war. Die eine Sitzung hat zwar noch keine direkte Verbesserung gebracht, aber da ich jetzt wieder wöchentlich zu ihr gehen werde, wird es dann schon mit der Zeit besser werden.

Die letzte Woche war es sehr ruhig im Kindergarten, was für uns alle eine schöner Einstieg nach dem Urlaub war. Als ein Mädchen mir auf meinen Bauch klopfte, ermahnte ich sie zu Vorsicht und berichtete ihr von dem kleinen Wesen dort drin. Die Kinder waren sofort Feuer und Flamme und hatten tausend Fragen! Wie eigentlich Babys in die Bäuche kommen würden? Da habe ich allerdings an ihre Eltern verwiesen. Die Mutter erzählte mir später, dass die Fragerei Zuhause weitergegangen sei und sie daraufhin in der Bibliothek entsprechende Bücher ausgeliehen hätten. Außerdem wollten die Kinder wissen, ob das Baby ihre Hände auf meinem Bauch sprühen würde, ob sie wach sei, wo der Kopf jetzt liegen würde, usw. Ich habe mir Mühe gegeben, alle Fragen so gut es geht zu beantworten. Die plötzliche Aufmerksamkeit auf meinen Bauch kam sehr überraschend. Alle Eltern haben sich aufrichtig für mich gefreut. Auch hier habe ich das Gefühl, in eine Club aufgenommen zu werden. Mit weiteren Reaktionen ist zu rechnen, wenn morgen mehrere Kinder zurückkommen.

Samstag, 1. August 2015

Herzschlag und neue Perspektiven im Berufsleben

Das Leben enthält doch immer wieder Überraschungen. Gestern war ich bei der Hebamme. Ich hatte keine großartigen Untersuchungen erwartet. Umso schöner war es, als sie fragte, ob sie nach dem Herzschlag unseres Babys suchen solle. Sie könne nicht garantieren, dass sie ihn finden würde. Ok, ich hatte verstanden, falls es nicht klappen sollte, müsste ich mir trotzdem keine Sorgen machen. Wir haben den Herzschlag aber sehr laut und deutlich gehört. Es löst immer noch ein kleines Erstaunen in mir aus, dass da tatsächlich ein kleine Person in meinem Bauch lebt. Es ist immer noch unfassbar, auch wenn der Bauch wächst und ich in den vergangen zwei Tagen die Babykleidung gewaschen und in den Schrank sortiert habe. Der Kapitän und ich werden wirklich Eltern! Unser Traum wird Wirklichkeit werden. Inzwischen kann ich auch immer besser spüren, wenn sie sich bewegt. Auch wenn es immer noch keine deutlichen Tritte sind. Aber irgendwas passiert in meinem Bauch. Das ist sehr spannend. Und für diesen Traum nehme ich auch kleine körperliche Beschwerden in Kauf. Grundsätzlich geht es mir gut, abgesehen von Taubheitsgefühlen in den Händen seit einigen Wochen. Und vor drei Tagen bemerkte ich plötzlich einen erbsengroßen Gnubbel am Handgelenk. Oh nee, war mein erster Gedanke, jetzt fängt auch noch der Knochen an zu wachsen! Die Haut hatte mir da ja schon einen Streich gespielt.. Aber Doktor Google gab Auskunft, dass es sich dabei wohl mit großer Wahrscheinlichkeit um ein Gangliom, umgangssprachlich Überbein, handelt. Am Gelenk hat sich eine Kapsel mit Flüssigkeit gebildet. Auch laut Hebamme und Google liegt dem ein Karpaltunnelsyndrom zugrunde, welches in Zusammenhang mit dem größeren Blutvolumen steht. Da ich schon vor Jahren Probleme mit den Handgelenken hatte, leuchtet mir ein, dass eine Schwangerschaft jetzt eine zusätzliche Belastung darstellt. Ich bin eben auch keine 20 mehr, und eine Schwangerschaft ist irgendwie ja schon eine Herausforderung für den Körper. Ich werde jetzt mal sehen, wie es sich weiter entwickelt. Meine Hoffnung ist, dass es mit der täglichen Bewegung bei der Arbeit und gesünderer Ernährung wieder besser wird. Im Urlaub war ich in beiderlei Hinsicht etwas nachlässig. Ansonsten gehe ich wieder zur Akupunktur. Die hatte in der Vergangenheit den Handgelenken gut getan.

Und jetzt zu dem beruflichen Teil. Ich bin Diplomsozialpädagogin, und als solche könnte ich in Deutschland ohne Probleme als Erzieherin arbeiten. Hier durfte ich das bisher nicht, so dass ich hoffnungslos unterbezahlt als Kinderpflegerin arbeite. Vor über einem Jahr habe ich bei der schwedischen Schulbehörde die Legitimation beantragt, um als sogenannte Vorschullehrerin zu arbeiten. Kindergarten heißt hier nämlich Vorschule und das qualifizierte Personal Vorschullehrerer. Das entspricht dem deutschen Erzieher. Im September letzten Jahres wollte die Schulbehörde einen Nachweis über eine Ausbildung zur Lehrerin haben. Hatte ich ja nicht, also habe ich gar nichts geschickt. Ohnehin war ich ja inzwischen mit anderen Dingen beschäftigt. Ich hatte also die Hoffnung aufgegeben und dieses Kapitel abgeschrieben. Vor drei Tagen bekomme ich plötzlich wieder eine Mail vom schwedischen Hochschulrat. In dieser steht, dass man sich mit der niedersächsischen Schulbehörde in Verbindung gesetzt hat (ich habe in Niedersachsen studiert). Diese haben sie gefragt, ob ich dort als Erzieherin arbeiten könnte. Die Antwort war: yes. Und nun soll ich kurzfristig Nachweise über meine Kompetenz in drei verschiedenen Gebieten einreichen. Diese Kompetenz kann durch praktische Erfahrung nachgewiesen werden. Und an der mangelt es mir nach fast fünf Jahren Dienst in schwedischen Kindergärten nun wirklich nicht! Das wird also das erste sein, was ich der Chefin am Montag vorlege. Sollte das jetzt wirklich durchgehen, dann bedeutet das nicht nur eine deutliche finanzielle Verbesserung, sondern auch eine ganz andere Verhandlungsbasis für zukünftige Arbeitsstellen. Erzieher werden hier nämlich händeringend gesucht! Mit einer solchen Legitimation hätte ich eine Perspektive in dem Arbeitsfeld, welches mir wirklich Spaß macht. Es ist also sehr spannend, wie es weitergeht, sowohl beruflich als auch mit unser kleinen Maus. Ein spannender Herbst liegt vor uns. 

Sonntag, 26. Juli 2015

Bergfest

Heute ist der letzte Tag der 20. Woche.  Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht. Inzwischen habe ich eine richtige Kugel und bin stolz auf sie. Aber immer noch spüre ich die Kleine nicht richtig. Wenn ich in mich hineinhorche, dann kann ich mir leichte Berührungen vorstellen, aber das kann auch Einbildung sein. Da es mir körperlich ausgezeichnet geht und ich außer der Kugel keine Anzeichen auf eine Schwangerschaft erkenne, kommen manchmal leise Zweifel auf, ob auch alles in Ordnung ist. Aber wirklich nur leise. Nächste Woche geht's wieder zur Hebamme, da werde ich sicher mehr erfahren.

Inzwischen sind wir drei Wochen unterwegs, und allmählich sehne ich mich nach unserem Zuhause. So schön es ist, alle zu treffen und rumzureisen, man kommt nicht richtig zur Ruhe. Außerdem haben wir die komplette Babyausstattung von meiner Freundin bekommen, die jetzt sortiert und eingeräumt werden will. Netzbau- es geht los! Ich freue mich auf die nächsten Monate. Anfang August geht mein Yogakurs los, außerdem stehen zahlreiche andere Termine zur Vorbereitung auf das Elterndasein an. 
Morgen geht die Reise wieder Richtung Norden. Nachts fahren wir mit der Fähre von Rostock nach Trelleborg. Wir machen dann allerdings noch zwei Tage auf Öland, bis es dann Donnerstag weitergeht nach Hause.

Donnerstag, 2. Juli 2015

Erneut ein sehr bewegendes Erlebnis

Seid dem positiven Test häufen sich die bewegenden Momente in unserem Leben. Erst der Test, dann das kleine Herzchen, was wir in der SSW 9 sehen konnten und heute das ganze Kind, wie es sich in mir bewegt, Atemübungen macht, Schluckauf hat und natürlich wieder das pochernde Herz. Ich war den Tränen nahe, so schön war es. Und wir sind so stolz- auf unsere kleine Tochter! Aller Voraussicht nach bekommen wir ein Mädchen. Mein positives Gefühl wurde bestätigt: sie entwickelt sich prächtig. Alles dran und alles sieht gut aus. Wahnsinn. Es ist trotz allem immer noch sehr abstrakt. Ich sehe am Monitor, wie sie sich in mir bewegt und spüre NICHTS! Dabei ist sie wohl etwa 18 cm lang, wenn auch noch sehr leicht und mager. Wie kann ich den nahenden Eisprung spüren, aber nicht mein Kind, was um so vieles größer als eine winzige Eizelle ist? Naja, die Eizellen selbst habe ich nun mit Sicherheit nicht gespürt, das muss ich zugeben.

Interessant sind auch die neuen Gedanken, die sich seit der Geschlechtsbestimmung aufgetaucht sind. Vorher habe ich immer sehr neutral an unser Kind gedacht. Jetzt ergeben sich gewisse Erwartungen. Z.b. glaube ich irgendwie, dass eine Mutter-Tochter-Beziehung anders ist, als eine Mutter-Sohn-Beziehung. Genauso wie ich das bei der Beziehung zum Vater sehe. Ich glaube, der Kapitän wird unserer Tochter total verfallen. Alle guten Vorsätze werden über Bord geworfen werden, wenn sie ihn anlächeln wird. Ich glaube, ich kann bei Mädchen konsequenter sein. Im Kindergarten verfalle ich eher dem Charme der Jungen. Aber das ist eh eine spannende Sache. Seit fast 20 Jahren bin ich Pädagogin, die erzieherischen Gedanken sind mir also in Fleisch und Blut übergegangen. Jetzt werde ich Mutter und werde Zuhause (hoffentlich) keine Pädagogin sondern Mutter sein. Wie wird mir der Rollenwechsel gelingen? Zum Glück gibt es den Kapitän, der ganz einfach Vater sein kann. Ich glaube, zwei Erzieher als Eltern wäre zuviel des Guten.

Einen Tag noch, dann sind endlich Sommerferien! Und bei den aktuellen 30 Grad fühlt sich das perfekt an. Wir fahren erst an die Westküste und dann weiter nach Deutschland. Dort werden wir alle Freunde und Verwandten besuchen und dann an der Ostküste Schwedens entlang wieder nach Hause fahren. In Deutschland werden wir dann auch anfangen, Babysachen anzuschaffen. In diesem Fall ist es unser Vorteil, wenn unsere Freunde uns in der Familienplanung voraus sind und Sachen abzugeben haben. Ich kann es kaum erwarten, endlich Babysachen anzusammeln!

Montag, 29. Juni 2015

Das erste Mal

Heute, am 1. Tag des fünften Monats, war es soweit: da war sie, DIE Frage. Und sie kam so herrlich spontan. Eine Mutter holte ihr Kind ab und hockte vor ihm. Damit hatte sie nicht nur Augenhöhe mit dem Kind sondern auch meinen Bauch im Blick. Erstaunt guckte sie zu mir hoch und fragte: bekommst du ein Kind? Ich musste lachen und bestätigte es. Oh, wie schön, rief sie. Und dann 30 Sekunden später kam die Erkenntnis: dann hast du ja bald Elternzeit. Ja, genau. Ja, das war natürlich schade für sie. Die ganze Situation war so spontan, ehrlich und voller Gefühle. Einfach herrlich. Ich hätte mir kein schöneres erstes Mal vorstellen können.

Inzwischen ist mein Bauch wirklich ordentlich gewachsen. Seit ein paar Tagen fühlt es sich nicht mehr gut an, auf ihm zu schlafen. Ich habe ja ohnehin Schlafprobleme, die dadurch natürlich nicht besser werden. Insofern habe ich auch wirklich keine Angst vor Schlafmangel nach der Geburt. Schlimmer kann es wirklich nicht werden. 


In einem Anfall von Friedfertigkeit hatte ich meiner Freundin, die im letzten Jahr meinem Kinderwunsch sehr unqualifiziert begegnet war, eine Versöhnungsmail geschrieben. Sie hatte sich darauf entschuldigend gemeldet, so dass wir das Kriegsbeil beigelegt haben. Dann habe ich ihr von der Schwangerschaft berichtet. Ich bekam daraufhin eine Whatsup mit freundlicher Gratulation und einem Link: the real truth about having a Baby:
1. breastfeeding must not "just happen"
2. your Baby probably won't appreciate your Interieur Design skills (sondern es wünscht deine Nähe)
3. Postnatal depression
4. Sorge um das Kind
5. Schlafmangel

Neu war nichts davon für mich, und ich gedenke nicht, mir Sorgen zu machen. Abgesehen davon, dass ich mich für gut vorbereitet halte. Immerhin hatte ich ja drei Jahre Zeit, mir über alles und nichts Gedanken zu machen und nebenbei andere Mütter und Freundinnen zu beobachten. Manchmal hat eine lange Vorlaufzeit eben auch was Gutes. Ich würde behaupten, dass ich den schwierigsten Teil des  Weges zum Kind hinter mir habe. Naja, aber sie hatte es ja lieb gemeint. Und für sie waren das offensichtlich echte Probleme. 

Der Kapitän und ich lieben es, uns die Zukunft zu dritt vorzustellen. Immer wieder tauchen Sätze auf, wie: bald haben wir jemanden, der hier rumkrabbelt und alles auseindernimmt. Nächstes Jahr erleben wir das hier mit Kinderwagen. Etc.

Meine Schwangerschaft verläuft weiterhin ohne Auffälligkeiten abgesehen von dem eländigem Heuschnupfen. Tabletten will ich nicht nehmen, und zudem war ich mit der Ernährung nachlässig und habe viele Ausnahmen mit Molkereiprodukten gemacht. Das muss jetzt besser werden. Meine arme Nase. Die war ja eh schon dicht wegen der Schwangerschaft.

Jetzt freuen wir uns auf das Highlight dieser Woche: US am Donnerstag! und am Samstag geht's an die Westküste. Wir fangen den Urlaub mit zwei Nächten auf einem ehemaligen Gutshof an. Vier Wochen ausschlafen nach durchgegeisterten Nächten liegen vor uns. Und hoffentlich mit vielWärme und Sonne. So wünschen wir uns das.

Donnerstag, 11. Juni 2015

Schwanger sein

Ich merke, dass ich eine ambivalente Einstellung zu meinem Bauch habe. Ich habe nämlich inzwischen wirklich einen. Es scheint so, als habe mein Körper nur auf die Schwangerschaft gewartet, um endlich an der Lieblingsstelle wachsen zu können. Immer schon war der Bauch meine "Problemzone". Nahm ich zu, dann zuerst am Bauch. Nun, das ist ja jetzt erklärtermaßen auch das Ziel gewesen. Trotzdem wage ich (noch) nicht, ihn stolz meiner Umwelt zu präsentieren. Irgendwie finde ich es zu früh, und vor allem glaube ich, dass er größtenteils aus Fett besteht. Aber ich arbeite an mir. Ich bin jetzt in der 14. Woche- so besonders ist das jetzt auch wieder nicht. Ich finde, ich werde mit jedem Tag ein wenig stolzer und erwische mich häufiger, wie ich darüber streichele. Natürlich nicht unbedingt in der Öffentlichkeit, aber Zuhause oder bei der Arbeit.

Soviel zu dem Bauch. Die nächste Herausforderung bestand in dem Kauf eines passenden BHs. Wir waren am Wochenende in Essen und in zwei Läden für Umstandsmode. Die erste Verkäuferin gab sich ganz kompetent, fragte in welcher Woche, musterte mich und ließ mich nicht ausreden als ich ihr das Problem erläutern wolle. Sie kenne sich aus...sie kam dann mit einem Baravado BH, Größe M. Es war wie erwartet: zu klein. Die Verkäuferin machte große Augen. Es ist nämlich so, dass ich mit 1,63 m ja nicht besonders groß bin. Ebenso sind auch meine Brüste entsprechend klein. Dagegen ist mein Brustkorb alles andere als klein. XL war dann zu groß, und L hatte sie nicht. Blöd, ansonsten saß der schon echt gut. Im nächsten Laden verlangte ich dann gleich L. Die Verkäuferin guckte wieder sehr erstaunt. Dieses Mal gab es aber keinen Bravado. und L war zu klein. Ich habe dann XL genommen und bin damit zufrieden. Ich habe halt das Kreuz einer Schwimmerin, ohne eine zu sein. Insofern konnte ich meiner Kollegin aber versichern, dass mir unser Kind wahrscheinlich in der Babytrage nicht zu schwer werden wird. Ich habe ihr von meiner Vision berichtet, dass ich gedenke, die Hausarbeit mit Babytrage zu erledigen, sollte das Kind alleine unzufrieden sein. Sie äußerte Bedenken, dass es mir mit der Zeit zu schwer werden würde...es erheitert alle, wenn ich meine Ideen bzgl. meiner Zeit als frisch gebackene Mutter kundtue.

Bei unserem kurzen Deutschlandtrip letztes Wochenende haben wir auch die Kusine vom Kapitän getroffen. Und siehe da: sie erwartet ihr zweites Kind am 18.12., sozusagen 4 Tage nach uns! Das interessante war, dass sie meinte, sie wäre schön eine Woche weiter als ich. An den Kapitän gewandt meinte sie, er solle jetzt mal weghören und erklärte, dass sie ihren Eisprung spät im Zyklus habe. Haha, als würden solche Informationen den Kapitän vom Hocker hauen!! Der Termin ist also nachberechnet, zuerst ging man davon aus, dass es ein Nikolauskind werden würde. Die Nachricht über ihre schangerschaft war natürlich witzig und hat die Oma des Kapitän gefreut- gleich zwei Urenkel zu Weihnachten!

Ich finde es sehr interessant, was Mütter als unentbehrliche Anschaffungen betrachten, und vor allem wie unterschiedlich das ist. Die Kusine meinte, man bräuchte auf jeden Fall einen Vaporisator. Da ich fest entschlossen bin, voll zu stillen, brauche ich den sicher nicht. Sie hat gar nicht gestillt. Dann empfahl sie eine Babyschale für's Auto. Wir haben kein Auto. Brauchen wir also auch nicht. Die Frau des besten Freundes des Kapitäns fand ein Küchengerät super, was ihr das Essen gleich zu Brei kocht. Erscheint mir erstmal auch nicht zwingend erforderlich. Soviel also zu den unbedingt wichtigsten Dingen, die ganz offensichtlich sehr individuell sind.

Samstag, 6. Juni 2015

Der kleine Hautfetzen

Vor ein paar Wochen habe ich beim Duschen einen Hautfetzen an meiner Schamlippe gefunden. Gefühle von Ekel und Unsicherheit kamen hoch. Natürlich googelte ich vorwärts und rückwärts und kam zu dem Schluss, dass es sich um eine Warze handeln musste. Entweder eine harmlose Stilwarze oder eine Feigenwarze, die mit dem Papillomavirus zusammenhängt, der wiederum auch das Kind infizieren könnte. Laut Internet ist dafür der Hautarzt zuständig. Aber an DER Stelle? Zudem war ich mir ganz sicher, dass dieser Zuwachs mit der Schwangerschaft zusammenhängt. Ich rufe also erst einmal die Krankenhotline an, um in Erfahrung zu bringen, an wen ich mich wenden kann. Ich musste schlucken, als sich ein Mann meldete, aber was soll's? Raus mit der Sprache! Er meinte, ich sollte mich an die Hebamme wenden, die würde mich dann schon weitervermitteln.

Da wollte ich mich ja sowieso melden zum Erstgespräch. Die hatte für mich dann einen Arzttermin gebucht. Der war am Freitag. Ich war ja bisher ziemlich verwöhnt, da ich nur von Frauen behandelt worden war, deswegen musste ich wieder schlucken, als sich der Arzt als ein Mann erwies. Mir war die Sache schon ziemlich unangenehm. Es war dann aber alles kein Problem. Er guckte in meine Unterlagen und meinte: Ach, ein Luciakind! Das wäre gut, weil in dieser Jahreszeit weniger Geburten anstehen würden. Die Schweden würden ihre Kinder jetzt bekommen. Außerdem teilte er mir die Ergebnisse meiner Blutprobe mit. Ich hätte einen gigantischen Eisenwert. Normal würde er wohl bei 20-30 liegen, meiner war über 80! Er fragte, ob ich immer wenig geblutet habe. Ja, das konnte ich bestätigen. Ich war wohl nicht nur mit meinen Eisprüngen sparsam...aller Voraussicht würde mein Vorrat wohl für die ganze Schwangerschaft reichen, ohne dass ich Eisenpräparate nehmen müsste. 

Jetzt aber zu dem eigentlichen Problem- dem Hautfetzen. Er meinte vor der Untersuchung, dass die Haut bei einer Schwangerschaft wachsen würde. Als er das Ding sah, meinte er, das wäre ganz harmlos, ein Narbe, die eben gewachsen wäre. Ich könnte die Hebamme nach der Geburt bitten, das Ding wegzuschneiden. Oder man könnte es mit einem Bindfaden abbinden, so dass es abfallen würde. Da ich an diese Stelle nicht gut rankommen würde, wäre das eine Aufgabe für den Kapitän. Wir haben sehr gelacht, als ich ihm erzählte, dass ich darauf wohl nicht hoffen dürfte, da der Kapitän sich bei solchen Sachen sehr anstelle. Ich berichtete ihm von der Zecke, die ich seitlich an der Hüfte gehabt habe. Ich kam da wirklich schlecht ran, aber der Kapitän war nicht zur Mithilfe zu bewegen...aber schön, dass es nur eklig aussieht, aber ansonsten harmlos ist.

Zum Schluss wollte ich noch wissen, wieso ich jetzt doch schon am 2.7. (16.SSW)  zum US soll, obwohl wir uns auf Ende Juli (20. SSW) geeinigt hatten. Eigentlich würde dieser US in der 18. SSW gemacht, aber vor einiger Zeit habe man den rutinemäßig in der 16. SSW gemacht. In der 18. SSW könne man das Herz besser beurteilen, aber für die anderen Organe würde es keine Rolle spielen. Man sei wohl zu dem Schluss gekommen, dass die 20. SSW zu spät sei, für den Fall, dass grobe Mißblidungen vorliegen würden. Ok, dann weiß ich. In vier Wochen werden wir also Stupsi sehen! Und kurz danach werde ich den kleinen Schatz wohl auch zum ersten Mal spüren. Darauf freue ich. Ich am meisten!

Sonntag, 31. Mai 2015

Abschluss des ersten Trimesters

Die ersten 12 Wochen sind geschafft- ohne Überraschungen mal abgesehen von dem positiven Test. Alles lief genauso wie es sollte, zumindest soweit ich das beurteilen kann. Diese Woche hatte ich meinen letzten Termin zur Akupunktur. Jetzt ist Pause bis November. Eine Ära geht zu Ende. Immerhin war ich dort seit Oktober 2012 wöchentlich in Behandlung. An das liebe Geld wollen wir mal nicht denken, eher daran, wie es mir sehr geholfen hat, meinen Körper zu verstehen und seine Bedürfnisse besser zu befriedigen. Mal ganz davon abgesehen, dass ich jetzt schwanger bin und die ersten 12 Wochen so gut geschafft habe.

Am Freitag hatte ich das Erstgespräch mit der Hebamme, die mich bis zur Geburt betreuen wird. Sie ist sehr sympathisch, was mich freut, da ich dann einfach bei ihr bleiben kann. Ansonsten hätte ich wohl über einen Wechsel nachdenken können. Sie hat mich in den Finger gepieckst, um den Blutzucker und den Hämoglobinwert zu ermitteln. Alles super. Auch die Urinprobe ergab keine Auffälligkeiten. Der Blutdruck war exemplarisch. Sie lachte, weil ich ihr zu verstehen gab, dass ich nichts anderes erwartet hatte. 

Anschließend sind wir die Möglichkeiten zur Diagnostik durchgegangen. Ich hatte mich natürlich schon vorher gut informiert und meine Meinung gebildet. Ich wollte aber, dass der Kapitän sich auch informiert und seine eigene Meinung bildet. Das hätten wir mal lieber schon zuhause diskutieren sollen. Jetzt hat sich auf die Schnelle gar keine Meinungsbildung mit anschließender kontroverser Diskussion zugetraut. Ein bißchen schade, aber es ist ja nicht so, dass nur ich Zugang zu Informationen im Vorwege habe...Das Ergebnis ist, dass wir jetzt nicht die Nackenfalte messen und damit nicht auf Downsyndrom testen lassen. Ich vertrete die Auffassung, dass ich am liebsten meine Ruhe und Zuversicht bewahren möchte. Es fühlt sich alles gut und richtig an. Was wäre denn, wenn sie uns ein gewisses Risiko für ein Downsyndrom mitteilen würden? Sagen wir mal 1:20? Wäre ich dann bereit, eine Fruchtwasserunterwuchung machen zu lassen? Ich denke nicht. Ich habe die Auffassung, dass ich das Kind jetzt nehme, wie es ist. Wir haben so lange auf Stupsi gewartet. Wäre ich wirklich in der Lage, dieses Kind abzutreiben, weil man uns ein Risiko für EINE Erkrankung mitteilt??? Es gibt tausende Erkrankungen, aber die werden nicht getestet. Niemand gibt dir die Garantie, dass dein Kind gesund auf die Welt kommt. Selbst wenn es im Bauch gesund ist, kann immer noch was während der Geburt passieren. Offensichtlich hat sich unser Kind zum Bleiben entschieden, und darüber sind wir froh. Auch wir sagen Ja zu diesem Leben. Deswegen brauchen wir jetzt keinen Test und keinen Ultraschall. Als ich fragte, wie es denn wären, wenn das Kind nun in meinem Bauch gestorben sei. Einer Freundin von mir ist das passiert. Sie hatten beim US gesehen, dass es nicht mehr gewachsen ist und das Herz nicht mehr schlug. Meine Hebamme fragte daraufhin, ob ich mich denn schwanger fühlen würde. Oh ja, sagte ich- vollschwanger! Darauf hat sie gelacht und gemeint, dass dann wohl auch alles in Ordnung sei.

Also haben wir jetzt einen Termin für Ende Juli verabredet und ungefähr in der Woche wird es auch einen Routineultraschall geben. Den wollten wir uns dann doch nicht entgehen lassen. Vielleicht sieht man ja dann das Geschlecht...

Jetzt warten wir also auf die Sommerferien, die am 4.7. endlich beginnen. Vier freie Woche liegen dann vor uns, die wir mit dem Auto auf Erkundungstour in Schweden sowie auf Deutschlandreise verbringen werden. Und ungefähr in dieser Zeit werde ich Stupsi wohl dann auch das erste Mal spüren. Darauf freue mich besonders. Jetzt ist es immer noch so abstrakt. Ich lese, was das Kleine in mir macht- diese Woche hat es schlucken gelernt, und es träniert schon tüchtig die Bewegung von Armen und Beinen- aber all das tut es im Verborgenen. Wie kann das sein, dass in mir eine kleine Person wohnt, und ich bekomme davon nichts mit?

Sonntag, 24. Mai 2015

10+6

Die Zeit vergeht wie im Fluge: in einer Woche haben wir die kritischen Wochen (hoffentlich) ohne Komplikationen überstanden. Ich muss dazu sagen, dass ich mich geweigert habe, sie als solche zu betrachten. Es ist ein bißchen wie nach dem Transfer: solange mir keiner das Gegenteil beweist, gehe ich von dem besten aus. Bis jetzt verläuft meine Schwangerschaft genauso wie es in den Apps und Fachbüchern beschrieben steht: sehr müde (was aber besser geworden ist), leichte Übelkeit, veränderter Appetit, verstärkter Geruchssinn, und nächtliche Toilettenbesuche. Das einzige, was vielleicht nicht ganz nach Plan läuft ist mein Bauchwachstum. Der ist nämlich Dank meines Schokoladengenusses nach Feierabend bereits gewachsen, so dass ich schon angefangen habe, Schwangerschaftshosen zu tragen. Die sind zugegebenermaßen aber immer noch etwas groß. Da ich nicht möchte, dass die Eltern jetzt schon Wind davon bekommen, stehe ich morgens nun vor der Herausforderung, etwas passendes zu finden, was den Bauchumfang kaschiert. Gestern haben ich den Kleiderschrank durchforstet und drei Kartons mit Klamotten aussortiert, weil die entweder jetzt schon zu eng sind oder zu warm und dann zu eng werden. Jetzt haben ich einen große leere Schublade, in die bald die ersten Babysachen einziehen können. Als ich letzte Woche Zuhause war, haben meine Mutter und ich zwischen alten Puppenkleidern tatsächlich meine alte Babykleidung gefunden. Welch eine Freude! Dabei war eine Strickjacke und Mütze, die ich von Bildern her kannte, die meine Oma damals für mich gestrickt hatte. 

Die Mutter vom Kapitän war tatsächlich einen Moment sprachlos, als wir ihr am Muttertag die frohe Botschaft verkündeten. Aber sie hat sich aufrichtig gefreut und meinte, sie hätte sich nie getraut nachzufragen. Das sei das schönste Muttertagsgeschenk für sie. Allerdings hat sie es recht schnell einer Freundin weitererzählt, obwohl wir sie eindringlich darum gebeten haben, genau das nicht zu tun. Es handelte sich um eine Freundin, die einen Sohn hat, den der Kapitän kennt. Dieser Sohn hatte über Facebook gefragt, ob der Kapitän Sex gehabt habe. So eine Frage ist natürlich in jedem Fall blöd, aber in unserem speziellen Fall extra blöd. Der Kapitän ist jetzt sauer, und es herrscht mal wieder Funkstille mit Schwiegermutter.

Ansonsten ist es total witzig, welche Vorstellungen der Kapitän so bzgl. unseres anstehenden Familienlebens hat. Vor ein paar Tagen zeigte er mir Bilder vom Sommerfest seines Lieblingsfussballvereins. Zu sehen waren lauter Aktivitäten für Kinder, wie Schminken, Hüpfburg, Fotoshooting mit dem Riesenmaskottchen, etc. Er meinte dann, dass wir ja nächstes Jahr dorthin fahren könnten. Ich machte ihn darauf aufmerksam, dass sich der Spaß dabei für einen Säugling sicher in Grenzen halten wird...
Ein anderes Mal sprachen wir über die Herausforderung, die die zeitgleiche Kinderbetreuung und die Führung des Haushaltes mit sich bringen wird während der Elternzeit, die er natürlich auch nehmen möchte. Er meinte dann, dass man das ja gemeinsam mit dem Kind machen könne. Dann dauere es eben eine Stunde, die Waschmaschine zu füllen...ich sehe es vor meinem geistigen Auge- meine beiden Lieblinge Zuhause und könnte mich schon jetzt amüsieren! Es wird so spannend, uns beide in der neuen Elternrolle zu erleben!

Heute hatten wir Stadtteilfest, was bei 18 Grad und Sonnenschein ausgesprochen nett war. Ich habe unglaublich viele Schwangere gesehen und merke, dass ich jetzt (natürlich) nicht mehr neidisch bin, sondern mir vorstelle, dass ich auch bald mit so einer Wampe unterwegs sein werde. Es ist immer noch streckenweise unfassbar. Ich bin immer noch ich, aber ich bin nicht mehr alleine. In mir schlagen zwei Herzen, und Stupsi macht schon Bewegungsübungen in aller Heimlichkeit. Welch ein Wunder der Natur! Ich bin sehr gespannt, welche Persönlichkeit unser Kind haben wird. Wie wird es sein? Was wird es gut finden? Was wird es gar nicht mögen?

Am 29.5. habe ich den ersten Termin bei der Hebamme. Dann werden wir mehr zu dem weiteren Ablauf erfahren. Ich bin gespannt, ob es dann demnächst noch mal einen Ultraschall geben wird.

Sonntag, 10. Mai 2015

SSW 8+6

Am Mittwoch waren wir zum letzten Mal in der Kinderwunschklinik. Welch eine Entwicklung in so kurzer Zeit! Am 10.2. waren wir dort zum Erstgespräch, am 6.5. werde ich mit einem Ultraschallbild aus der neunten SSW entlassen! Alles ist bestens: wir konnten den rasenden Herzschlag unseren Kindes bewunden. Wahnsinn, wie schnell das schlägt! Unser kleines Wunder war 17 mm "groß", und hatte einen guten Platz in meiner Gebärmutter gefunden. Damit ist es also amtlich: wir werden im Dezember Eltern. Berechnet ist der 14.12. Ich bin weiterhin sehr zuversichtlich und war letztendlich auch nicht überrascht, dass wir unser Kind sehen konnten und alles in Ordnung ist. Es fühlt sich einfach gut und richtig an. Und jetzt liegen auch nur noch 3 Wochen der kritischen Zeit vor uns. Es wird schon werden.

Inzwischen wissen es jetzt auch die meisten um uns herum. Am Freitag habe ich es meiner Chefin erzählt. Es weiß sowieso fast die ganze Belegschaft, da wäre es komisch, es ihr nicht zu erzählen. Sie ist ja sonst nicht so die emotionale, umso überraschter war ich über ihre echte Freude. Das war wirklich eine schöne Reaktion! Sie fragte auch, wie es mir gehe. Ihr sei auch die ganze Zeit schlecht gewesen, und sie habe dann immer Knäckebrot in der Tasche gehabt und nebenbei gemümmelt..

Und da es jetzt eh schon alle wissen, wollen wir es nachher der Mutter vom Kapitän erzählen. Ich bin sehr gespannt auf ihre Reaktion. Sie hat in den sechs Jahren, die wir zusammen sind nie nach Kindern gefragt. Ich weiß nicht, ob ihr das zu intim erschien oder ob es wirklich kein Thema für sie war. Dazu muss man wissen, dass sie sich sehr darum sorgt, alt zu werden und sich sehr anstrengt, jung zu wirken. Im Gegensatz zu ihrem häuslichem Sohn zieht sie Samstagnacht um die Häuser. Vielleicht ist sie erstmal geschockt, dass sie Oma wird...? Naja, sie hat ja noch etwas Zeit, sich mit dem Gedanken anzufreunden.

Bei meinen Recherchen zum Mutterschutz musste ich feststellen, dass dieser hier in Schweden lange nicht so ausgeprägt ist, wie in Deutschland. In Deutschland dürfte ich nicht länger als 8 Stunden täglich arbeiten, von dem Zeitpunkt an, an dem mein Arbeitgeber von der Schwangerschaft weiß. Eine solche Regelung gibt es hier nicht. Ebenso wenig wie es eine Regelung gibt, ab wann frau vor der Geburt Zuhause bleibt. Das entscheidet jede individuell. Man hat hier eine bestimmte Anzahl Elterntage, die Frau schon vor der Geburt nehmen kann. Aber dann minimieren sich die Tage, die man mit seinem Kind hat, was darin resultiert, dass hier so lange wie möglich gearbeitet wird. Ich muss gucken, wie das bei mir geht und wie ich mich dann zum Ende hin bewegen kann. Aber ich finde es Wahnsinn, dass ich eigentlich mal wieder gegen meinen Körper arbeite: mein Körper will Ruhe, aber der Job verlangt immer wieder Arbeitstage von 12 Stunden, was dann bedeutet, dass ich morgens um 6.20 Uhr aus dem Haus gehe und abends um 20.45 Uhr nach Hause komme. Um annähernd 8 Stunden Schlaf zu bekommen, muss ich gegen 21.00 Uhr einschlafen.. Wegen der ständigen Toilettenbesuche schlafe ich keine Nacht durch. Meine Chefin meint, dass Schwangerschaft keine Krankheit sei. Nee, das ist es sicher nicht. Wobei das auch komisch ist- mit unerfülltem Kinderwunsch war ich krank, jetzt bin also gesund. Aber die Bedürfnisse ändern sich, wenn frau schwanger ist. Ich denke, das ist der Nachteil an der Sache mit der Gleichberchtigung. Mann und Frau sind nicht gleich. Wir haben unterschiedliche Bedürfnisse, insbesondere, wenn es um die Tage der Menstruation oder eben der Schwangerschaft geht. Aber da wir Frauen die gleichen Rechte wie die Männer wollen, glauben wir, wir müssten auch deren Lebensführung nacheifern. Eine Schwangere leistet sehr viel auf anderer Ebene: wie kann sie dann noch die gleiche Leistung im Arbeitsleben bringen? Ich finde das falsch. Das Leben meines Kindes werde ich jedenfalls durch diesen Wahnsinn nicht riskieren. Sollte ich merken, dass mein Körper eine Pause braucht, muss ich mich eben krank melden. Aber manchmal geht es dann doch besser als erwartetet mit einem langen Arbeitstag. Und so viele sind es auch gar nicht mehr, die Sommerferien nähern sich mit Riesenschritten. Am 3.7. ist der letzte Arbeitstag, und dann ist der Kindergarten vier Wochen zu.

Was meine Ernährung betrifft, so kann ich sagen, dass alles, was zwei Jahre lang Gültigkeit hatte, jetzt nicht mehr gilt. Ich esse Weizen, ich habe ein großes Stück Käse gekauft und die ersten Bissen seeeehr genossen! Das habe ich meiner Akupunkteurin nicht erzählt, sie fand die vielen Bananen schon nicht so gut. Sie meinte aber auch, dass es nach den ersten 12 Wochen besser werden würde. Ich bin gespannt. Ich glaube ja weiterhin an die Vorteile einer guten Ernährung, aber im Moment ist wirklich alles anders.

Morgen starte ich in eine kurze Arbeitswoche. Mittwochabend fliege ich nach Deutschland zu meinen Eltern und werde wohl auch die eine oder andere Freund treffen. Sonntag geht's dann wieder zurück. Ich freue mich auf den kleinen Heimatbesuch, es ist jetzt schon fast ein Jahr her, dass ich dort war.

Sonntag, 26. April 2015

Das Leben mit unserer Krabbe

Inzwischen sind zwei Wochen vergangen seit ich den Test gemacht habe. Was ist in der Zeit passiert? Ich denke, die Botschaft ist angekommen: wir sind wirklich schwanger, auch wenn das noch kein Arzt bestätigt hat. Aber mein Körper spricht mit mir. Mein Appetit hat sich deutlich verändert. Der morgendliche Brei, den ich seit mehr als zwei Jahren morgens sehr genossen habe, schmeckt mir nicht mehr. Der Zimt-Apfelgeschmack reizt mich so gar nicht mehr. Stattdessen liebe ich Avocados und Grapefruits! Und Bananen helfen mir auch gut vor dem Einschlafen. Laut TCM soll ich weder Bananen noch Grapefruits essen. Erstere sind schleimbildend, letztere kühlen zu sehr. Ich vertraue einfach auf meinen Körper, der wird schon wissen, was ihm gut tut und was er jetzt braucht. Zum Glück habe ich keinen Appetit auf Süßigkeiten. 

Die nächste Veränderung ist die ständige bleierne Müdigkeit. Es fühlt sich an wie ein starker Jetlag. Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, muss ich mich erst mal eine halbe Stunde hinlegen. Dummerweise stehen jetzt im Kindergarten Elterngespräche an. Ich bin froh, wenn die geschafft sind. Am Mittwochen saß ich deshalb mal wieder mit meinen Kolleginnen nach der eigentlichen Arbeit zusammen und haben über die Entwicklungen der Kinder gesprochen. Bis halb acht saßen wir, und waren trotzdem nicht fertig! Dann ging einfach nichts mehr. Ich brauche ja auch noch eine Stunde, um nach Hause zu kommen, und eigentlich ist mein Ziel, dass ich mich gegen halb neun ins Bett begeben, da ich ja um 5 Uhr morgens schon wieder aufstehen muss. Da ich zusätzlich noch mit einer Erkältung kämpfte, war es am nächsten Tag mal wieder um mich geschehen- nichts ging mehr. Also mal wieder krankgemeldet- zum dritten Mal seit Beginn der Behandlung! Im Netz habe ich gelesen, dass das Immunsystem hauptsächlich das Kind schützt, und die Mutter dafür anfälliger ist...nun, so habe ich wenigstens etwas Ruhe und Schlaf bekommen. Donnerstagabend wurde mir dann allerdings so schlecht, dass ich dachte, das halte ich nur schwer weitere sechs Wochen aus. Es folgte eine Horrornacht, in der sich mein komplettes Verdaungssystem entleerte. Das war keine Schwangerschaftsübelkeit- da hatte ich mir also auch noch einen Virus eingefangen! An Essen war erst wieder gegen Freitagabend und dann auch nur sehr vorsichtig, zu denken. Jetzt ist das wohl überstanden und mir ist nur noch nochmal schwanger übel. Denke ich jedenfalls.

Abgesehen von diesen Beschwerden bin ich in Gedanken bei unserer kleinen Krabbe. Laut Apps und Schwangerschaftsliteratur soll unser Kind nun einer Krabbe ähneln, inklusive Schwanz. Die kleine Krabbe ist so winzig wie eine Erbse, meine Gebärmutter soll so groß eine Apfelsine sein. Das kleine Herz schlägt schon, und seit dieser Woche fließt wohl auch Blut durch die winzigen Gefäße. Außerdem bilden sich Arm- und Beinansätze, sowie die inneren Organe. Wir sind schon sehr gespannt auf unseren Termin zum Ultraschall in 10 Tagen! Mein Gefühl sagt mir, dass es der kleinen Krabbe gut geht. 

Die nächsten zwei Tage gilt es dann noch mal die Zähne zusammenbeißen- morgen Abend habe ich wieder ein Arbeitstreffen bis um 19.00 Uhr, und Dienstag haben wie Afterwork. Wir wollen zusammen essen gehen, und die Mehrheit will in ein Fischrestaurant. Ich habe die Karte schon vorwärts und rückwärts studiert, um zu gucken, welches Gericht für mich am besten bzw. am wenigsten schädlich ist. Das war keine leichte Sache. Nach wie vor will ich Milchprodukte meiden, ebenso wie Weizen, wenn ich auch bereit bin, kleine Ausnahmen zu machen. Dann will ich natürlich keinen Fisch essen, der mit Schwermetallen belastet ist. Meine Akupunkteurin hat mir von jeglichem Fischkonsum abgeraten, da die meisten Gewässer auf die eine oder andere Art und Weise belastet seien. Ich solle Fischölkapseln nehmen. Ok, außerdem schließe ich natürlich Soßen auf Alkoholbasis aus. Ebenso wie ich keinen Gravadlachs und keine Aioli esse. In Frage kommen würde also das Biff mit Zwiebeln, wenn ich beim Kartoffelbrei kompromissbereit wäre. Das ganze soll dann 30 Euro kosten!!!! Das letzte Mal als ich Biff gegessen habe, kaute ich und kaute. Das war kein Vergnügen. Ich kann Fleisch essen, aber eher als Beilage denn als Hauptgericht. Also habe ich mir für den Krabbensalat entschieden, aber dann ohne Rhode Island Soße. Das liegt mir dann abends sicher auch nichts so schwer im Magen. Und kostet "nur" 22 Euro. Ich finde, die Schweden spinnen. Ich wäre ja bereit, soviel Geld zu bezahlen, wenn ich wüsste, dass es sich um Bio-Lebensmittel handeln würde. Aber dieses Restaurant oder Brasserie wie sie sich nennen, gehört einer Kette von mehreren Läden an, die sich keineswegs in dieser Richtung auszeichnen. Tja, wir leben in einer Demokratie und die Mehrheit hat sich dafür und gegen das vegetarische Restaurant entschieden. Mitgehangen, mitgefangen.

Montag, 13. April 2015

Der Tag danach

Alles ist immer noch sehr abstrakt und unglaublich. Unglaublich schön. Um es ein wenig besser zu begreifen, habe ich heute Morgen auch noch den Test der Klinik gemacht- zwei deutliche Linien. Ich bin wirklich schwanger. Unser Kind wächst in mir. Laut App und Bilderatlas fängt das Herz morgen an zu schlagen. Morgen ist der Embryo 22 Tage alt. Faszinierend.

Das Besondere an dieser Situation ist, dass außer euch auch die meisten Menschen um mich herum eingeweiht sind. Die "kritische" Zeit werde ich also in Begleitung verbringen. Auch gut. Meine Freundinnen dürfen es ruhig wissen, und es ist auch gut, dass meine Kolleginnen informiert sind. Eine Fehlgeburt würde ja in keinem Fall spurlos an mir vorbei gehen, und da wir so eng zusammen arbeiten, müsste ich es ihnen dann eh sagen. Aber daran wollen wir jetzt nicht denken. Es reicht, wenn der Kapitän meiner Euphorie immer wieder mit den Worten begegnet: "jetzt warten wir erstmal ab." Oh, wie ich ABWARTEN liebe!!! Aber dann hat er doch heute zugegeben, dass er bei seinem Lieblingsfussballverein schon einen Strampler entdeckt hat. Schmunzel. 

Das Telefonat mit der Klinik war ziemlich nüchtern. Keine Fanfaren als ich von dem positiven Test berichtet habe. Ob ich über die Ernährung Bescheid wüsste? Nöö, nicht direkt. Ich könne ja mal auf der Seite vom Lebensmittelverk nachgucken. Ok. Und dann haben wir noch einen Termin zum Ultraschall gebucht: 6. Mai. Dann SEHEN wir unser Kind. Tatsächlich ja sogar schon zum zweiten Mal. Vor lauter Ernüchterung und weil der Anruf später als angesagt kam, habe ich vergessen zu fragen, was mit Lutinus ist. Also habe ich wieder angerufen, eine neue Telefonzeit bekommen. Als der zweite Anruf kam, stand ich gerade schwitzend mit 8 Kindern im Flur, die alle fertig angezogen auf das Spielen im Hof warteten. Während das Telefon klingelte, öffnet ich schnell die Tür, was zur Folge hatte, dass zwei der Kinder erstmal gleich umfielen, weil die sich an die Tür gelehnt hatten. Die anderen stürzten raus zum Tor. Das Telefon klingelt weiter. Meine Kollegin sagte, ich solle rangehen. Als ich das Tor aufmachte und die Kinder endlich im Hof waren, hörte das Klingeln auf. Super! Und jetzt? Wieder neue Telefonzeit? Aber die Maschine sagte mir, ich wäre noch registriert. Also ABWARTEN. Der Anruf kam dann, als ein Kind neben der Schaukel saß und mit einer Schaufel Sand auf die Kinder in der Schaukel schmiss. Während ich also mit der Hebamme sprach, habe ich den Jungen dort weg gezogen. Alles gut. Lutinus hat seine Zeit gehabt. Ich nehme noch die letzten zwei Tabletten und dann ist Schluss.

Sonntag, 12. April 2015

Tränen der Freude und Erleichterung

Um drei Uhr nachts bin ich nach nur wenigen Stunden Schlaf aufgewacht und konnte an nichts anderes als den Test denken. Laut Klinik sollte ich sechs Stunden vorher nicht gepinkelt haben. Nach endlosen Hin-und Herwälzen habe ich beschlossen, dass ich nicht bis zum Morgen warten kann. Beherzt habe ich also den Test in den Urin gehalten und danach versucht, mich auf die Wartezeit zu konzentrieren. Ich habe aber doch rübergelinst und sah sofort das deutliche Plus!!!!!

Die Tränen liefen, ich zitterte und war überglücklich. Erst jetzt wurde mir bewusst, unter welcher Anspannung ich gestanden haben muss. Der Kapitän war eh wach, so dass ich ins Schlafzimmer ging, das Licht anmachte und ihm den Test hinhielt. Der Arme- mitten in der Nacht, plötzliches Licht und dann einen Test, mit dem er eh nichts anfangen konnte! Dazu eine völlig aufgelöste Frau. Das muss Mann erst mal verkraften. Ich weiß, dass er sich freut, auch wenn er es in dem Moment noch nicht so zeigen konnte. Wir müssen das erst mal begreifen: sehr wahrscheinlich werden wir in 8 Monaten einen Knirps oder eine Knirpsin bei uns haben! Unser Kind wächst in mir und scheint sich wohl zu fühlen. Der totale Wahnsinn.

Vielen lieben Dank fürs Daumendrücken und mitfiebern.